TEIL 4: MANIFESTA 16 RUHR – GELSENKIRCHEN

Episode von Kunst und Gegenwart von Prof. Dr. Harald H.H.W. Schmidt · 27. August 2026 · 25 min

Drei Kirchen, ein Musiktheater und sehr unterschiedliche Erfahrungen: Welche Stationen der Manifesta 16 Ruhr in Gelsenkirchen lohnen sich – und welche können Sie bei begrenzter Zeit auslassen?

Im vierten und letzten Teil meiner Manifesta-Reihe besuche ich St. Bonifatius, St. Anna und St. Josef sowie die Arbeiten von Yves Klein im Musiktheater im Revier. Ich untersuche, wo Kunst, Architektur und Menschen aus dem Stadtteil tatsächlich zusammenfinden – und wo wichtige gesellschaftliche Themen noch keine überzeugende Ausstellung ergeben.

Zu den Höhepunkten gehören für mich die Malerei über Migration und Fremdsein in St. Bonifatius, darunter İhsan Eces „Passbilder BRD“ und Jannis Psychopedis’ präzise Anti-Stillleben. In St. Josef verwandelt eine blaue Membran von Penique Productions den gesamten Kirchenraum. Neu zusammengesetzte Kirchenbänke und Havîn Al-Sîndys Heuschreckenschwarm machen den viel beschworenen Wandel der Kirche dort räumlich erfahrbar.

Meine Empfehlungen sind St. Bonifatius und St. Josef. St. Anna bleibt abgesehen von Psychopedis’ „Rotem Radio“ künstlerisch dünn. Auch den Abstecher zu Yves Klein können Sie bei einem eng getakteten Rundgang auslassen. Zum Abschluss ziehe ich Bilanz nach vier Folgen: Die Manifesta 16 Ruhr ist keine durchgehend überzeugende Kunstausstellung – ihre stärksten Orte zeigen jedoch, wie ehemalige Kirchen zu neuen öffentlichen Räumen werden können.

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