Kleiderspenden mit Wert und Wirkung
Episode von Krempel de Luxe von Claudia Knobloch · 6. März 2026 · 31 min
Beim Ausmisten von Kleiderschränken fallen Berge vonBekleidung an. Viele gemeinnützige Organisationen sammeln und verteilen Kleiderspenden an Bedürftige oder finanzieren mit dem Verkauf von gebrauchterKleidung ihre Programmarbeit. Eine dieser Organisationen ist die Berliner Stadtmission. In dieser Folge habe ich mit Annett Kaplow diskutiert, wie man Bekleidung so spendet, dass die gemeinnützigen Organisationen davon profitieren.
Annett Kaplow ist die Co-Leiterin des TEXTILHAFENS von Komm & Sieh, dem Inklusionsunternehmen der Berliner Stadtmission. Der Textilhafen sammelt und sortiert Bekleidung, gibt sie an Bedürftige weiter oder verkauft sie in eigenen Second-Hand-Läden. 460 TonnenBekleidung hat der Textilhafen 2024 in Berlin bewegt.
Für mich waren die wichtigsten Einsichten:
Kleiderspenden sind im Prinzip wie Geldspenden: sie unterstützendie Arbeit der gemeinnützigen Organisationen. Daher müssen sie entweder 100%auf die Zielgruppe der Organisation passen oder sie müssen so hochwertig/modisch/Marke sein, dass sie in Second-Hand-Läden verkauft werden können. Ausgeleierte, vergilbte, löchrige, muffige und verwaschene Kleidung gehört nicht in dieKleiderspende.
Als Daumenregel gilt: Kleiderspenden sollte in so guter Verfassung sein, dass man sie auch an Freunde und Freundinnen weitergeben würde. Daher eignen sich alte Bekleidung aus Kunstfasern und Kunstleder oder Schuheaus Kunststoff oft nicht für die Spenden: die Weichmacher sind nach spätestens 10 Jahren entwichen, die Stücken zerfallen.
Kleiderspenden sollten saisonal passend sein: Im Winter keine kurzen Hosen, im Sommer keine Daunenjacken spenden. Die Lagerkapazitäten der Kleiderkammern sind beschränkt, lieber die aussortierten Sachen bei sich zuhause lagern, bis sie zur Saison passen.
Kleiderspenden für Obdachlose sollten in etwa so sein wie Kleidung für einen Camping-Ausflug: feste Schuhe, eine wasserdichte Jacke, eine gute Hose, ein wärmender Pulli. Alles einfach waschbar und schnell trocknend. Der Bedarf an Männerbekleidung ist viel höher als der für Frauen.
Wenn man etwas spenden will, sollte man mit den Organisationen telefonisch Kontakt aufnehmen, um zu klären, welche Spenden sie gerade brauchen. Viele Organisationen haben Bedarfslisten auf ihren Webseiten. Man sollte nicht enttäuscht sein, wenn Sachspenden nicht angenommen werden.
Seriöse Altkleider-Container erkennt man daran, dass die aufstellende Organisation mit Kontaktdaten klar zu erkennen ist. Oft sind diese Container auf dem Gelände von Gemeinden, Museen oder Liegenschaften der Organisationen aufgestellt. Auch das Siegel von FairWertung oder dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. weisen auf seriöse Abnehmer hin.
Aktuell gibt es eine „Altkleiderkrise“. Kleidung, die die gemeinnützigen Organisationen nicht direkt an Bedürftige abgeben oder in ihrenSecond-Hand-Läden verkaufen können, werden nicht mehr von Großhändlern abgekauft. Der Export in osteuropäische oder afrikanische Länder ist quasi zum Erliegen gekommen. Daher verwenden die Organisation Geldspenden, um diese Textilien zu entsorgen. Geld, dass in der Programmarbeit viel besser verwendetwerden könnte.
Die Politik arbeitet daran, die Hersteller von Kleidung auch für deren Recycling oder Entsorgung verantwortlich zu machen. In der EU sollein Gesetz zur Herstellerverantwortung verabschiedet werden.
Hier die Links dieser Folge:
Textilhafen: https://www.berliner-stadtmission.de/sachspenden
Materialpool:https://www.berliner-stadtmission.de/textilhafen/materialpool
Komm und Sieh gGmbH: https://www.berliner-stadtmission.de/komm-sieh
HanseaticHelp: https://hanseatic-help.org/
Fairwertung: https://fairwertung.de/
bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. https://www.bvse.de/qualitaetssiegel/transparenz-und-qualitaetskontrolle.html
Wohin damit: https://www.wohindamit.org/
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