Bundesgerichts-Bites - Datenflut hebelt das Anklageprinzip aus (BGer 7B_758_2025 vom 22.07.2026)
Episode von Studier Jura! von C. M. · 30. August 2026 · 24 min
Eine 151-seitige Anklageschrift mit hunderten Fussnoten und Aktenverweisen – unverzichtbare Navigationshilfe im Daten-Dschungel oder ein schleichender Tod des fairen Strafprozesses? 💼📑⚖️Ein Treuhänder wird wegen mehrfachen gewerbsmässigen Betrugs, Veruntreuung und Misswirtschaft zu fast sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Doch vor Bundesgericht greift die Verteidigung das Fundament des gesamten Verfahrens an: Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Der Vorwurf wiegt schwer: Mit 151 Seiten, hunderten Fussnoten und unzähligen Verweisen auf Aktenordner habe die Anklagebehörde keine knappe Tatumschreibung geliefert, sondern eine unzulässige zivilprozessuale Klageschrift voller vorweggenommener Beweiswürdigung! Laut Gesetz (Art. 325 StPO) muss eine Anklageschrift „möglichst kurz, aber genau“ sein. Doch in der Praxis des Wirtschaftsstrafrechts mutieren Anklageschriften immer öfter zu gigantischen Textmonstern. In dieser Folge sezieren wir das Urteil 7B_758/2025 und werfen mit der Anwaltschaft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Justiz:
Was verlangt das Anklageprinzip (Art. 9 & 325 StPO) wirklich – und warum dient die Anklage der Information des Beschuldigten, nicht der Vorprägung des Gerichts?
Warum drückt das Bundesgericht beide Augen zu und akzeptiert hunderte Fussnoten mit Verweis auf die „Komplexität von Wirtschaftsdelikten“?
Ist das Wirtschaftsstrafrecht wirklich so einzigartig, oder kaschieren uferlose Monster-Anklagen oft nur mangelhafte juristische Subsumtion und unklare Beweisführungen?
Ein absolutes Must-Listen für alle, die Strafprozessrecht verstehen, die Taktik der Strafverteidigung durchschauen und die heissesten Diskussionen der Schweizer Strafjustiz mitverfolgen wollen.
Jetzt reinhören, den Kampf ums Anklageprinzip verstehen und praxisrelevantes Prozessrecht für deine nächste Klausur mitnehmen! 🚀
Weitere Episoden von „Studier Jura!“
- OR Landmark Cases - BGE 124 III 423 - Der Notar-Honorar-Fall 23. September 2026
- OR Landmark Cases - BGE 124 III 456 - Der Software-System-Fall 22. September 2026
- OR AT - Folge 10: Forderungsabtretung und Verträge für Dritte 21. September 2026
- OR Landmark Cases - Urteil 4A_4612016 vom 10. Februar 2017 - Der Karottenfeld-Fall 20. September 2026
- OR AT - Folge 9: Bedingungen, Eigentumsvorbehalt und Konventionalstrafe im OR 18. September 2026
- OR AT - Folge 8: Erlass, Verrechnung und die neuen Verjährungsfristen 15. September 2026
- OR AT - Folge 7: Unmöglichkeit und Lieferverzug im Obligationenrecht 12. September 2026
- BGer 6B_85/2026 vom 13. August 2026 - Kein Betrug trotz Täuschung über die Lieferkette und zum Schweigerecht in der Adhäsionsklage 11. September 2026
- OR Landmark Cases - BGE 136 III 273 - Der Pfusch-am-Bau-Fall 11. September 2026
- OR AT - Folge 6: Warum die kranke Gans als geliefert gilt 9. September 2026
- OR Landmark Cases - BGE 116 II 431 - Der Fabrik-neu-Autokauf-Fall 8. September 2026
- OR Landmark Cases - BGE 109 II 26 - Der Grabenmaschinen-Fall 7. September 2026
- OR AT - Folge 5: Wer für fremde Verträge die Zeche zahlt (Stellvertretung) 6. September 2026
- OR Landmark Cases - BGE 90 II 285 - Der Kaffeemaschinen-Fall 5. September 2026
- OR Landmark Cases - BGE 112 II 347 - Der Gallé-Lampen-Fall 4. September 2026