#16 Gabriel Eder, M2S Rechtsanwälte: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

Episode von Bricks & Bots von Sebastian Berloffa & Kristof Konstantin · 21. September 2026 · 51 min

Gabriel Eder ist Rechtsanwalt bei M2S Rechtsanwälte in Wien, zuhause im Miet- und Wohnrecht, viel vor Gericht und regelmäßig auf den Bühnen der Wiener Immobilienbubble. Wir wollten wissen, was sich bei den Juristen in Sachen KI tut. Die Antwort: mehr, als viele glauben. Und weniger, als manche hoffen.

„Mieterschaft" verrät dich

Seit etwa zwei Jahren landen bei Gabriel professionell klingende Schreiben von Leuten ohne Anwalt. Er erkennt die KI sofort, an Wörtern, die in Österreich niemand verwendet. Heikel wird es, wenn sich die Gegenseite auf einen Anspruch versteift, den es gar nicht gibt. Kennst du das aus deinem Posteingang?

Halbwissen ist brandgefährlich. Und gut fürs Geschäft.

Je mehr Leute mit KI-Rat in Probleme schlittern, desto mehr Beratung wird gebraucht. Gabriel sieht das gelassen. Der Unterschied zwischen ihm und dem Chatbot: Er haftet für das, was er rausschickt. Reicht das als Geschäftsmodell?

Die Zäsur

Jahrelang haben Anwälte KI genutzt wie alle anderen: E-Mails polieren, geschwärzt in die Free-Version. Jetzt gibt es kostenpflichtige Tools, zugeschnitten auf den Anwaltsberuf, mit ISO-Zertifikaten und Datenschutzversprechen. Gabriels Regel gilt trotzdem: Daten sind Entgelt, auch wenn das Abo zehn Euro kostet. Was fütterst du gerade in welches Tool?

Was die Tools können. Und was nicht.

Recherche zu OGH-Judikatur samt Excel-Übersicht in Sekunden: beeindruckend. Formulierungsqualität: enttäuschend, teils schlechter als die Gratis-Lösungen. Und wer die Materie nicht kennt, kann auch nicht prompten. Wann hast du ein Tool, das du vor zwei Jahren verworfen hast, zuletzt neu getestet?

Der Elefant im Raum

Juristen stehen ganz oben auf jeder Liste der bedrohten Berufe. Weniger Konzipienten, weniger Anwälte: Wer zahlt dann das System? Und was passiert, wenn irgendwann ein Programm entscheidet, wer Recht hat? Wo ziehst du die Grenze zwischen Hilfstool und Entscheider?

Der KI-Mietvertrag

Klingt nach Schablone, ist es nicht. Die Wertsicherungsdebatte hat gezeigt, wie schnell jahrzehntelange Marktpraxis kippt. Wer heute einen Mietvertrag baut, muss Tendenzen der Rechtsprechung vorwegnehmen. Kann das ein Tool, das nur aus der Vergangenheit lernt?

Keine Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Mietvertrag oder Wertsicherung bitte an einen Anwalt wenden.

Kapitel

00:00 Intro

03:40 Wer ist Gabriel Eder

06:16 Wertsicherung, Betriebskosten: Womit Gabriel auf Bühnen steht

12:18 „Mieterschaft": KI-Schreiben von Unvertretenen erkennen

14:18 Dunning-Kruger und gefährliches Halbwissen

16:29 Das Heil in der Flucht: Haftung als Unterschied

19:31 Die Zäsur: Vom E-Mail-Polieren zu Anwalts-Tools

23:29 Daten sind Entgelt: Datenschutz, Verschwiegenheit, RAO

25:45 Was die Tools können: Recherche und Judikatur-Excel

29:07 Was nicht funktioniert: Formulierungsqualität

32:11 Halbjährliche Sprünge: Verworfene Tools neu testen

34:13 Prompten heißt Fachkompetenz

35:21 Juristen ganz oben auf der Liste: Wer zahlt die Pensionen?

36:23 Anwaltspflicht und Sachverhalt: Wo KI nicht hin darf

38:14 Verwenden Richter KI?

41:06 Die Hochzeitskarte: Persönlichkeit gegen Präzision

43:27 Soft Skills werden wichtiger, nicht unwichtiger

44:29 450 Euro die Stunde: Honorar trotz KI

47:46 Der Konzipienten-Vergleich

48:45 Mandanten fragen nach der KI-Infrastruktur

51:18 Was Gabriel sofort ersetzen würde

52:31 Der KI-Mietvertrag und die Wertsicherung

56:11 Abmoderation

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