Folge 65: Was wäre, wenn es Alkohol nicht gäbe?

Episode von Bella beobachtet von Bella · 10. August 2026 · 11 min

Es ist mitten in der Nacht. Ich steige aus der S-Bahn und laufe durch den Hamburger Hauptbahnhof. Zwei Polizisten sprechen jemanden an: Alkoholverbotszone. 40 Euro Bußgeld.

Und ich frage mich: Lösen wir hier gerade ein Problem – oder verschieben wir es nur ein paar Meter weiter?

Seit der Ausweitung der Alkoholverbotszone in Hamburg wird kontrolliert, sanktioniert und reguliert. Aber was passiert mit dem Menschen, der abhängig ist? Verschwindet die Sucht, nur weil der Konsum an einem bestimmten Ort verboten ist?

Und dann kommt mir ein radikaler Gedanke:

Was wäre, wenn es Alkohol überhaupt nicht gäbe?

Nicht verboten. Nicht reguliert. Nicht versteckt. Einfach nicht da.

Deutschland 2026: Rund 14.400 Menschen starben 2024 an Krankheiten, die direkt auf Alkoholkonsum zurückgeführt werden. Rund 283.500 stationäre Behandlungsfälle standen mit ausschließlich alkoholbedingten Diagnosen in Verbindung.

Aber was wäre, wenn diese Substanz aus unserer Welt verschwinden würde?

Kein Bier. Kein Wein. Kein Schnaps. Kein „nur ein Glas“. Keine Feierabendroutine. Kein Mutantrinken. Kein Wegtrinken. Kein Vergessen.

Wir würden trotzdem feiern. Lieben. Tanzen. Streiten. Lachen. Trauern.

Nur eines würde fehlen:

die Möglichkeit, Gefühle chemisch zu verschieben.

Vielleicht geht es deshalb gar nicht um die Frage, wo Alkohol noch erlaubt ist.

Vielleicht geht es um eine viel größere Frage:

Warum ist Alkohol überhaupt so selbstverständlich geworden?

Und wie würde unsere Welt aussehen, wenn Alkohol nie Teil unserer Kultur geworden wäre?

Eine Folge über Sucht, gesellschaftliche Normalität, Verbote – und ein Gedankenexperiment, das vielleicht größer ist, als es zunächst klingt.

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