USA und Israel blamiert | Von Jochen Mitschka
Episode von apolut: Standpunkte von apolut · 25. Juni 2026 · 17 min
Ist das Ergebnis des Kriegs gegen den Iran die größte Niederlage der USA seit 25 Jahren?
Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.
Einer der besten Kenner Westasiens und westlicher Politik gleichzeitig, der Chefredakteur vom Middle East Eye, David Hearst, schrieb am 17. Juni einen Artikel über das Ergebnis des Angriffskriegs von Israel und den USA gegen den Iran. Darin finden sich einige interessante Feststellungen, die auch für europäische Politik wichtig sind. Er schreibt, dass das Scheitern, den Iran zu unterwerfen, ein viel größeres Ziel gestoppt oder gar zunichtegemacht habe: ein Projekt zur Umgestaltung des Nahen Ostens mit einem „Großisrael“ an der Spitze.
Hearst meint, dass von allen militärischen Niederlagen, die die USA in den letzten 25 Jahren im Nahen Osten erlitten haben, die gegen den Iran wohl die folgenreichste sei. Anders als bei den amerikanischen Militärinterventionen in Afghanistan, Irak, Jemen, Libyen und Syrien habe die Islamische Republik nicht einfach nur einen weiteren US-amerikanischen Versuch eines Regimewechsels überstanden. Im US-israelischen Krieg gegen den Iran sei es nie nur um das Schicksal eines einzelnen Regimes gegangen. Das Scheitern der Iran-Eindämmung habe ein viel größeres Ziel gestoppt oder gar zunichtegemacht: das Projekt, die Gestalt des Nahen Ostens, oder um es nicht-kolonialistisch zu nennen, Westasien, zu verändern, mit einem "wiedergeborenen" und gestärkten „Großisrael“ an der Spitze.
Das sei das strategische Ziel der Abraham-Abkommens gewesen, und als Saudi-Arabien sich weigerte, dieses zu unterzeichnen, wurde stattdessen ein Krieg mit dem Iran inszeniert. Ironischerweise, so meint der Autor, brauchte es „den größten Freund Israels im Weißen Haus“, um den größten Traum des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu zu zerstören.
Trump musste aus dem Kaninchenbau von Alice im Wunderland herauskommen
Für US-Präsident Donald Trump war es eine beschlossene Sache, wieder einen klaren Kopf zu bekommen und Netanjahu nicht weiter blind in dessen Sackgasse zu folgen, meint Hearst. Für Netanjahu dagegen sei Trumps Kehrtwende im Iran-Konflikt eine Katastrophe, deren Folgen noch Generationen spürbar sein könnten.
Die US-Inflation, angetrieben durch die kriegsbedingt höheren Energiekosten, befinde sich auf einem Dreijahreshoch; Trumps Zustimmungswerte seien auf einem historischen Tiefstand; er sehe sich wachsendem Widerstand in der eigenen Partei gegenüber; die Lähmung der Golfstaaten belaste den Trump-Clan finanziell; und die bevorstehenden Zwischenwahlen könnten ihm die Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses kosten. Trump wollte einen schnellen Sieg nach venezolanischem Vorbild, und sobald klar wurde, dass der Iran sich nicht kampflos ergeben würde, habe der 80-jährige Präsident gedanklich abgeschaltet.
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