158 — Der Moloch oder unvermeidlicher Fortschritt?
Episode von Zukunft Denken – Podcast von Alexander Schatten · 18. August 2026 · 25 min
Wenn wir die technologische Veränderung der Welt betrachten, drängt sich immer wieder die Frage auf, wie viel wir davon überhaupt steuern können und von welchen Randbedingungen das abhängig ist.
Kürzlich ist mir der Begriff des Molochs wieder untergekommen, beziehungsweise der Moloch-Falle, und dieser bietet nicht nur religiös, sondern auch kulturgeschichtlich eine sehr interessante Referenz oder Referenzrahmen zu dieser Frage.
Ein wirklich spannendes Thema zum weiterdenken und diskutieren.
Was sind die mythologischen und religiösen Hintergründe des Moloch-Begriffs?
»Du sollst keins deiner Kinder dem Moloch durchs Feuer weihen und so den Namen deines Gottes entweihen« (Levitikus 18,21).
Warum ist die künstlerische und kulturelle Rezeption deutlich wichtiger als die religiösen Ursprünge? Einige Beispiele:
Milton, Paradise Lost
Giovanni Pastrone, Cabiria (1914)
Allen Ginsberg, Howl (1956)
Die Filmreihe: Die purpurnen Flüsse
Und nicht zuletzt Fritz Lang mit seinem Film-Meisterwerk Metropolis aus dem Jahr 1927.
In Paradise Lost eröffnet der Moloch den Rat im Pandämonium:
»the strongest and the fiercest Spirit
That fought in Heav'n; now fiercer by despair«
[…] »My sentence is for open Warr.«
Warum ist das bedeutsam? Was hat das mit der Logik des Wettrüstens und der Spieltheorie zu tun?
Filmset von Metropolis
In Metropolis wird eine Bildsprache entworfen, die über die nächsten 100 Jahre immer wieder zitiert wird: Die Maschinenfront verwandelt sich in einen kolossalen Götzen mit weit geöffnetem, glühendem Rachen. Eine Treppe führt zu diesem Maul hinauf. Die gebeugte Arbeiterkolonne wird hinaufgetrieben, angeführt von priesterlichen Figuren mit Kopfschmuck und Peitschen. Die Arbeiter verschwinden im Schlund, während unten bereits die nächste Kolonne wartet.
Diese Stilistik wird immer wieder verwendet und kopiert auch in der Pop-Musik, z.B.:
Queen, »Radio Ga Ga« (1984)
Freddie Mercury, »Love Kills« (1984)
Madonna, »Express Yourself« (1989
Beyoncé, »Sweet Dreams« (2009)
Wie unterscheidet sich der Moloch von den traditionellen Gottes-Vorstellungen und warum ist das für die kulturelle Rezeption wesentlich?
Was ist nun der Bezug zu Technik, Fortschritt und aktueller Politik? Es gibt verschiedene Perspektiven und Beispiele, die in der Episode diskutiert werden:
Umgangssprache
Das Problem des Koordinationsversagens, die zu einer Lose-Lose Situation führen
Lärm und Rauschen, die wesentliche Probleme überdecken
Sport
Bildung und Wissenschaft
Märkte und Finanzen
Alltag
und aktuell: das KI-Wettrennen
Dann gibt es aber die Perspektive mit umgekehrten Vorzeichen, die Kevin Kelly etwa in seinem Buch The Inevitable darstellt. Was ist darunter zu verstehen?
Andere Episoden
Episode 156: Neues liegt in der Luft?
Episode 153: Potent Stuff, A Conversation with Prof. Jacob Howland
Episode 152: Säkulare Glaubensbekenntnisse
Episode 150: Wie kommt Neues in die Welt?
Episode 148: Künstliche Vernunft? Ein Gespräch mit Jan Juhani Steinmann
Episode 141: Passagier oder Steuermann? Ein Gespräch mit Markus Raunig
Episode 139: Komfortable Disruption
Episode 134: Das Werdende, das ewig wirkt und lebt? Transzendent oder Transient
Episode 129: Rules, A Conversation with Prof. Lorraine Daston
Episode 125: Ist Fortschritt möglich? Ideen als Widergänger über Generationen
Episode 121: Künstliche Unintelligenz
Episode 110: The Shock of the Old, a conversation with David Edgerton
Episode 98: Ist Gott tot? Ein philosophisches Gespräch mit Jan Juhani Steinmann
Referenzen
Moloch (Britannica)
John Milton, Paradise Lost, Samuel Simmons, London (1667)
Gustave Flaubert, Salammbô, Michel Lévy Frères, Paris (1862)
Giovanni Pastrone (Regie), Cabiria, Itala Film, Turin (1914)
Fritz Lang (Regie), Metropolis, Universum-Film AG (Ufa), Berlin (1927)
Thea von Harbou, Metropolis (Roman), August Scherl Verlag, Berlin (1926) — zum Vergleich der Motivik mit dem Film
Charlie Chaplin (Regie), Modern Times, United Artists (1936)
Allen Ginsberg, Howl and Other Poems, City Lights Books, San Francisco (1956)
Queen, »Radio Ga Ga« (1984)
Madonna, Express Yourself
Beyoncé, Sweet Dreams
Scott Alexander, Meditations on Moloch, Slate Star Codex (2014)
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Dokumentation zur Rekonstruktion von Metropolis (2010)
Kevin Kelly, The Inevitable. Understanding the 12 Technological Forces That Will Shape Our Future, Viking (2016)
Kevin Kelly, What Technology Wants, Viking (2010)
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- 160 — Inseln der Ordnung im Meer des Chaos 21. September 2026
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- 156 — Neues liegt in der Luft? 14. Juli 2026
- 155 — Freiheit oder Sicherheit? Ein Gespräch mit Prof. Konrad Paul Liessmann 29. Juni 2026
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