„Gebt den Menschen Cash!“
Episode von Wissenswelle von Universität Hamburg · 21. September 2022 · 48 min
Die Inflation ist höher als je zuvor in der Bundesrepublik Deutschland. Was der Staat und die Banken jetzt tun müssen und wen die Preissteigerungen am härtesten treffen, erklärt der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Straubhaar von der Universität Hamburg in der „Wissenswelle“.
Mit milliardenschweren Entlastungspaketen versucht der deutsche Staat, den Bürgern unter die Arme zu greifen: Damit sie die derzeitigen Preissteigerungen, insbesondere bei den Heizkosten, wuppen können. „Das ist grundsätzlich der richtige Weg“, sagt Prof. Dr. Thomas Straubhaar, „doch die geplante Umsetzung ist viel zu kompliziert.“ Stattdessen plädiert der Ökonom für Direktzahlungen an alle Bürgerinnen und Bürger.
Er betont auch, dass die Inflation die Ärmsten am stärksten trifft. Denn wer ein gutes Einkommen und finanzielle Rücklagen hat, kann steigende Lebenshaltungskosten eine Weile abfedern und im Notfall auf Erspartes zurückgreifen. Lohnerhöhungen können zudem helfen, die Preissteigerungen abzufedern. Schwieriger wird es beispielsweise für Rentnerinnen und Rentner oder diejenigen, die BAföG bekommen: Deren monatliches Einkommen wird nicht so stark angepasst, sie haben oft nur wenig Erspartes. Steigende Lebenshaltungskosten treffen diese Gruppen also besonders hart.
Kleine, auf Sparkonten angelegte finanzielle Reserven schmelzen außerdem durch die Inflation dahin. Von einer kurzfristigen Umschichtung rät Thomas Straubhaar jedoch ab: „Zu hoch ist die Gefahr, dass man gleich mehrfach verliert: durch hohe Gebühren, die Inflation und möglicherweise auch durch Wertverluste der neuen Anlagen. Zudem sind diese oft langfristig, so dass man im Bedarfsfall nicht auf das Geld zugreifen kann.“
Wie Inflation entsteht, warum der Staat von ihr profitiert und welche Rolle die Europäische Zentralbank spielt: Das erklärt der Wirtschaftswissenschaftler, Buchautor und WELT-Kolumnist in der „Wissenswelle“, dem Podcast der Universität Hamburg.
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