„Die ganze Welt ist Bühne“ Fotograf:Innen zeigen sie
Episode von wissensART von Elisabeth J. Nöstlinger · 17. Juni 2026 · 26 min
„Die ganze Welt ist Bühne“: Fotograf:innen bilden sie ab.
Beziehungen halten die Welt am Laufen. Die beiden Preisträger des Wolf Suschitzky-Preises lichten sie ab.
Der taiwanesische Künstler Jeremy Chih-Hao Chuang, der in Taipeh und London lebt, lädt in seine Serie „Ephemeral Intimacy“ die Betrachter ein, die Welt des modernen Datings als Bühne zu betrachten. Dort, wo sich persönliche und universelle Dramen entfalten, setzt er auch sich selbst in Szene, dokumentiert die flüchtigen und intimen Momente von Männern, die er über Online-Dating-Apps in London kennengelernt hat.
Als Südostasiat, der mit den Zwängen einer konservativen Erziehung zu kämpfen hatte, wandte sich Chuang Dating-Apps zu, um seine eigene Identität jenseits traditioneller heteronormativer Erwartungen zu erkunden. Indem er Männer fotografierte, die er über diese Plattformen kennenlernte, dokumentierte er ihre persönlichen Räume und intimen Momente und enthüllte sowohl ihre Verletzlichkeit als auch die Komplexität des zeitgenössischen Begehrens. Während Suschitzkys Linse die Schönheit im Alltäglichen und im Tiefgründigen enthüllte, zielen Chuangs Fotografien darauf ab, die nuancierten Darstellungen von Individuen in ihrem privaten und öffentlichen Leben zu beleuchten. Jedes Bild dient als Momentaufnahme der menschlichen Erfahrung und fängt die Essenz unserer Rollen auf der sich ständig verändernden Bühne moderner Beziehungen in London ein.
Andrej Polukord lebt in Vilnius und in Wien. Er tritt mit der Natur in Beziehung.
Malerei, Installation, Performance, Fotografie und Videokunst sind sein Metier. Mit Humor, sinnlichen Aktionen und erzählerischen Mitteln thematisiert er den Alltag, die Ökologie und das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Der Künstler schafft instabile Umgebungen und absurde Situationen, die unvorhersehbaren Folgen, Doppeldeutigkeiten und Mehrdeutigkeiten erzeugen.
Ganz anders Anna Jocham. Sie hat einen künstlerischen Zugang zur Fotografie, dekonstruiert ihre Fotos mit einem Scanner und anderen technischen Mitteln. Im „Kunst im Gespräch“ erzählt sie darüber.
Wolf Suschitzky, von Freund/innen und Kolleg/innen meist „Su“ genannt, wird 1912 in Wien geboren. Er studiert an der Höheren Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt Fotografie. 1934 verlässt er Österreich unter dem Eindruck des Austrofaschismus und beginnt, mit seiner älteren Schwester Edith, die nach England geheiratet hat, in deren Porträtstudio zu arbeiten. Während in Wien Buchhandlung und Verlag der Eltern „arisiert“ werden, fotografiert Suschitzky in London die Straße der Buchläden: Heute gilt seine „Charing Cross Road Series“ als Meilenstein der britischen Reportagefotografie – 1938 ebnet sie ihm den Weg, um das Genre zu wechseln und beim Film anzufangen.
Die Arbeiten der Preisträger und jene der Nominierten sind in der Galerie Fotohof in Salzburg bis 30. Juli 2026 zu sehen.
Foto: © Helena Kalleitner
In der Podcast-Serie, „Kunst im Gespräch“, kommen im zweiwöchigen Rhythmus all jene Künstlerinnen und Künstler zu Wort, die durch ihre Zusammenarbeit mit österreichischen Kulturforen und Botschaften inspiriert wurden.
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