Gefangen im Mietvertrag: So hart trifft der Lock-in-Effekt Menschen in Leipzig und Dresden
Episode von Thema in Sachsen von Sächsische.de & LVZ.de · 23. Juli 2026 · 1 h 05 min
Umziehen in eine kleinere Wohnung, um Geld zu sparen – eigentlich klingt das logisch. Doch wer das in einer Großstadt wie Leipzig oder Dresden vorhat, merkt schnell: Günstiger wird es in der Regel nicht. Was an Nebenkosten gespart werden kann, zahlt man bei der Kaltmiete in einem neuen Mietvertrag oft drauf.
Das stellt auch Romina Stawowy fest. Die Dresdnerin möchte mit ihren drei Kindern und dem Hund von einer Fünfzimmerwohnung in eine mit vier Zimmern wechseln. Seit mehr als einem halben Jahr dauert die Suche inzwischen. „Je mehr ich mich damit beschäftige, desto frustrierender wird es“, sagt sie im Podcast „Thema in Sachsen“ von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung.
Sie berichtet von zahlreichen Wohnungsbesichtigungen, ungewollten Dating-Anfragen, und davon, wie es sich anfühlt, nach mehrstufigen Bewerbungsprozessen immer wieder mit leeren Händen dazustehen – oder nur die Wahl zu haben, in eine vollkommen überteuerte Wohnung zu ziehen. Derzeit zahle sie rund neun Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Bei ihrer Suche sei sie regelmäßig auf Angebote für „14, 15 oder 19 Euro – in einem Fall sogar auf 26 Euro pro Quadratmeter“ gestoßen. Für deutlich weniger Wohnfläche hätte sie damit nahezu die gleiche oder sogar eine höhere Miete zahlen müssen. Irgendwann, so schildert sie es, habe sie gemerkt, dass sie immer wieder auf die gleichen Probleme gestoßen sei: dass es nicht genug geeignete Wohnungen für Familien gibt und der Markt vor allem Alleinerziehende benachteiligt.
Wieso Stawowy mit ihrer Erfahrung kein Einzelfall ist, erklärt Jens Rometsch. Der Reporter berichtet seit vielen Jahren für die Leipziger Volkszeitung über den immer angespannter werdenden Wohnungsmarkt in Großstädten und die Entwicklung von Mieten. Zuletzt im Fokus seiner Berichterstattung: der sogenannte Lock-in-Effekt. „Zu Deutsch bedeutet das zwar ‚eingesperrt sein‘. Es wird aber niemand eingesperrt in seiner Wohnung. Der Effekt beschreibt, warum sich ein Umzug oft nicht mehr lohnt, weil die Mieten so stark gestiegen sind.“
Seit wann besteht dieses Problem – und welche Lösungen gibt es? Könnte die Vereinfachung von Regeln beim Wohnungstausch helfen? Oder muss einfach mehr gebaut werden? Rometsch analysiert im Podcast minutiös die Lage am Wohnungsmarkt. Außerdem erklärt der Experte, wie die Instrumente Mietspiegel und Mietpreisbremse wirken und wie man sich konkret in Leipzig gegen zu hohe Mieten über eine Beschwerdestelle wehren kann.
Romina Stawowy berichtet unterdessen auch davon, wie sie ihre Erfahrungen mit dem Lock-in-Effekt und ihrer teils abenteuerlichen Wohnungssuche inzwischen zur Aufgabe gemacht hat. „Ich sitze an einer App. Den Prototyp gibt es schon.“ Sie soll es Menschen mit besonderen Merkmalen – etwa Alleinerziehenden, Hundehaltern oder Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen – erleichtern, passende Wohnungsangebote zu finden.
Außerdem im Podcast zu hören: Alexander Müller, Direktor des Verbands der Wohnungswirtschaft Sachsen. Er erklärt, wieso es seit Jahren beim Neubau klemmt und zum Beispiel mehr serielles Bauen sowie einfachere Planungsverfahren erheblichen Nutzen bringen würden. Zudem richtet sich der Blick auf die sächsische Landespolitik: Welche Maßnahmen sollen den Wohnungsmangel in den Großstädten lindern? Und wie viel Geld fließt aus dem Sondervermögen des Bundes tatsächlich in den Wohnungsbau in Sachsen?
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