Teamerfolg: People-Pleasing und Teamdynamiken verstehen - Interview mit Dr. Verena Stahl

Episode von The Paths of Purpose Podcast von Simona Deckers von Simona Deckers · 29. Juli 2026 · 1 h 01 min

Druck von oben, Erwartungen der Kollegen und Ansprüche im Team, People-Pleaser sitzen zwischen allen Stühlen.

People-Pleasing, es allen recht machen zu wollen und sich dadurch zu zerreißen, ist ein Verhalten, das tief in unserem Arbeitsalltag verwurzelt ist, und das Dr. Verena Stahl untersucht und bearbeitet.

Gerade in hierarchischen Organisationsstrukturen, die unter Druck zu autoritären Führungsstilen zurückkehren, reagieren Mitarbeitende oft mit übermäßiger Anpassung und dem Wunsch, Konflikte zu vermeiden.

People-Pleasing ist im deutschsprachigen Raum noch wenig erforscht, obwohl es weit verbreitet ist. Das Phänomen betrifft viele Menschen und wird meistens nicht als problematisches Verhalten erkannt, sondern als normale Hilfsbereitschaft angesehen.

People-Pleasing basiert auf Unsicherheit und Angst vor Ablehnung, nicht auf echter Selbstlosigkeit. Im Gegensatz zu authentischer Hilfsbereitschaft entsteht zwanghaftes People-Pleasing aus inneren Ängsten und dem unbewussten Versuch, Unstimmigkeiten zu vermeiden. Typische Glaubenssätze dieser Menschen sind "Ich muss funktionieren." oder "Ich darf keine Konflikte provozieren."

People-Pleasing entsteht aus dem Bedürfnis nach Sicherheit, Anerkennung und Beziehung, und nicht primär aus mangelnden oder fragilen Selbstwertgefühlen. Bei People-Pleasern werden mehrere psychologische Grundbedürfnisse gleichzeitig bedroht. Dieses Verhalten kommt oft aus der Kindheit.

People-Pleasing hört sich nach einem individuellen Problem und nach Grenzen aufgeben an, doch es hat einen großen Einfluss auf Teamdynamiken.

Das Problem ist, dass erfolgreiche Teams Reibung, Widerspruch und konstruktive Auseinandersetzungen brauchen. People-Pleaser unterdrücken Diskussionen, meiden Konflikte und hemmen so Innovationen. People-Pleasing in Teams führt zu oberflächlicher Harmonie und letztendlich zu Stagnation und Burn-Out.

Ein gutes Team braucht Menschen, die Positionen vertreten, konstruktiv streiten und durchsetzungsfähig sind. Erfolg erfordert neben Leistung eine mutige Kommunikation und offene Debatten für bessere Lösungen, Vielfalt und neue Perspektiven.

Manipulative Personen profitieren davon, wenn sie People-Pleaser unter Druck setzen und auch Führungskräfte können People-Pleasing unbewusst fördern, um Konflikte zu vermeiden. Solche Dynamiken führen zu unausgewogenen Teams und dem Zerfall von psychologischer Sicherheit und kreativem Konsens.

Führungskräfte sollten genau beobachten, wer welche Rollen einnimmt. Wichtig ist, dass alle Verantwortung für die Teamgestaltung übernehmen, nicht nur die Führungskräfte. Dies stärkt sowohl das Engagement als auch den persönlichen Einflussbereich jedes Einzelnen.

Verena schreibt in ihrem neuen Buch „Lass Dir die Butter nicht vom Brot nehmen“ wie People-Pleaser sich aus ihren Mustern befreien und gibt konkrete Werkzeuge, um an Glaubenssätzen zu arbeiten und neue Fähigkeiten zu entwickeln.

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