U16-Wahlen: Berliner Jugend wählt

Episode von stadtvisionen – jung gedacht von Aline Fraikin, Anica Latzer-Schulte, Jürgen Brecht · 1. September 2026 · 13 min

In der zehnten Folge werfen wir anlässlich anstehender Wahlen einen besonderen Blick auf die Rechte und die politische Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft. Moderatorin Renata Kutinka begrüßt dazu Scarlett Strehlow von der Berliner Landeskoordinierung der U16-Wahlen beim Landeskompetenzzentrum für Beteiligung und Demokratiebildung. Gemeinsam beleuchten sie ein faszinierendes Projekt, das vor 30 Jahren als kleine, symbolische Aktion in einem einzigen Berliner Jugendclub in Berlin-Mitte seinen Anfang nahm. Aus dieser Initiative ist inzwischen eine bundesweite Bewegung gewachsen, die allein im Land Berlin über 240 Wahllokale für junge Menschen ohne offizielles Wahlrecht bereitstellt.

Die U16-Wahl ist dabei weit mehr als nur ein symbolisches Kreuz auf dem Zettel, sondern versteht sich als ein niedrigschwelliges politisches Beteiligungs- und Bildungsprojekt. Kinder und Jugendliche lernen in diesem Rahmen, sich mit ihrer eigenen Meinung auseinanderzusetzen, verschiedene Standpunkte in der Gruppe zu diskutieren, eigene Parteien zu gründen und ihre Positionen mit den echten Parteiprogrammen zu vergleichen. Dabei bringt die junge Generation Themen ein, die ihre direkte Lebenswelt betreffen und von Erwachsenen oft übersehen werden: Die Palette reicht von konkreten Zukunftsängsten und der Wehrpflicht über Social Media und Handyverbote an Schulen bis hin zum dringenden Bedarf an kostenfreien, sicheren Orten für Jugendliche im Stadtteil.

Die Ergebnisse dieser Wahlen landen nach der Auszählung keineswegs ungesehen in einer Schublade, sondern werden eine Woche vor der offiziellen Wahl mit großer Medienpräsenz veröffentlicht, um das politische Meinungsbild der Jugend sichtbar zu machen. Für die Zukunft fordert Scarlett Strehlow ein echtes Recht auf Mitbestimmung. Politik und Verwaltung sollten Kinder und Jugendliche bei Entscheidungen nicht nur formell befragen, sondern die von ihnen geäußerten Themen auch tatsächlich in die Praxis umsetzen, während Erwachsene ihre Macht gezielt nutzen sollten, um junge Stimmen aktiv zu stärken

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