Über Schuld, Konflikte und den Mut zur Versöhnung

Episode von Sonntag auf die Ohren - Predigten von Pfarrer Michael Mohr von Pfarrer Michael Mohr · 7. September 2026 · 10 min

Familie ist Familie. Und gerade deshalb sollen Konflikte am besten draußen bleiben – zumindest beim gemeinsamen Essen, am Feiertag oder am Sonntag.

Auch die Kirche kennt diese Sehnsucht nach einer heilen Gemeinschaft. Doch Jesus verspricht keine konfliktfreie Gemeinde. Im Gegenteil: „Wenn dein Bruder sündigt …“ – so beginnt das Evangelium und stellt damit nicht zuerst die Schuld des anderen, sondern unseren Umgang mit ihr in den Mittelpunkt.

Die Antwort Jesu ist weder Verschweigen noch öffentliches Bloßstellen. Sünde darf benannt werden. Aber das Ziel bleibt immer der Mensch: Der Bruder soll zurückgewonnen und nicht verloren gegeben werden.

Selbst derjenige, der schließlich „wie ein Heide oder ein Zöllner“ erscheint, fällt damit nicht aus dem Blick Jesu. Denn gerade Zöllner, Sünder und Ausgegrenzte waren es, denen er immer wieder nachging.

Christliche Gemeinschaft bedeutet deshalb nicht, um jeden Preis eine heile Fassade aufrechtzuerhalten. Sie bedeutet, Wahrheit und Liebe zusammenzuhalten – Schuld beim Namen zu nennen und trotzdem keinen Menschen aufzugeben.

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