Anja Kirchpfening und Hauke Hellbach – Die fränkischen Weinpatrioten
Episode von SOMMELIER von Silvio Nitzsche · 13. November 2025 · 2 h 22 min
Sie lieben und leben für Weinfranken. Und doch sind Anja Kirchpfening und Hauke Hellbach keine, die Parolen rufen oder mit erhobener Faust durch die Weinszene ziehen.
Sie arbeiten punktiert, fokussiert, apodiktisch und beharrlich – und genau darin liegen ihre überzeugenden Argumente. In ihrer Authentizität. Man könnte sie Idealisten nennen, aber das trifft es nicht. Idealisten träumen. Anja und Hauke aber handeln. Sie sind Realisten des Guten, Pragmatiker mit Prinzipien. Zwei Sommeliers, die man, ohne zu zögern, Patrioten nennen darf. Nicht im Pathos der Fahne, sondern im Sinn der Hingabe, ihrer Leidenschaft: für Franken, für ein Konzept, das sie mitfundieren, leben und wovon sie wiederum aufgrund der Einzigartigkeit profitieren.
Sie leben ihre fränkische Weinkarte nicht als Strohfeuer, brennen nicht lichterloh und ganz schnell ab, sondern kontrolliert – wie ein Ofen, der über Nacht Wärme speichert.
Ihre Glut heißt Verantwortung. Treue der einzigartigen Idee gegenüber, in und mit der Region zu leben, sich von dieser bereichern zu lassen und zugleich diese zu bereichern. Das sucht seinesgleichen. Verantwortung den Gästen, den Winzern und den Mitarbeitern gegenüber. Während andere die große weite Welt erklären, bauen sie still an dieser – aus dem Inneren, aus ihrer Region heraus.
Und weil sie wissen, dass Überzeugung kein PR-Format ist, bleibt ihnen die Bühne fremd.
Ihr Patriotismus hat nichts mit Grenzen zu tun, sondern mit Gewissenhaftigkeit. Mit dem Glauben, dass das Eigene dann stark ist, wenn es offen bleibt.
Anja Kirchpfening und Hauke Hellbach haben sich dem vinophilen Franken verschrieben. Nicht, weil sie sich abschotten wollen, sondern weil sie wissen: Identität wächst nur dort, wo man sie pflegt. Sie sprechen über Herkunft, aber ohne Nostalgie. Ihr Blick ist nach vorn gerichtet, ihr Werkzeug ist Geduld. Sie horten ihr Wissen nicht, sondern teilen es, weil sie wissen, dass Dauer nur durch Weitergabe entsteht. Sie helfen als Spiegel – mit Inspiration und Kritik – den Winzern, sich zu entwickeln, und ihre Beständigkeit ist mehr als Anerkennung und Wertschätzung. Es ist offen gelebte Begeisterung, die ansteckt und die gerne – und hoffentlich oft – Schule machen darf.
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