Extra: Dem Dichter: Ein Grab in den Lüften; Seinem Lied: ein Grab in der Erde
Episode von Podcast Literatur - ein Literaturformat von Theo Schneider und der VHS Kaiserslautern von Theo Schneider · 23. Juli 2026 · 9 min
Als Jizchak Katzenelson am 21. Juli 1886 geboren wurde, gehörte die Kleinstadt Karelicz im Gouvernement Minsk zum russischen Kaiserreich, heute zu Belarus. Schon sein Vater war ein hebräischer Schriftsteller, der mit der Familie ein Jahr später ins polnische Lodz zog. Er selbst begann schon mit 13 Jahren Lieder zu schreiben. Er hat Theaterstücke und Gedichte verfasst, übrigens auch das „Buch der Lieder“ von Heinrich Heine ins Hebräische übersetzt. In Warschau gründete er das hebräische Theater und organsierte die jiddische Kulturarbeit.
Als die deutsche Wehrmacht 1939 Polen überfiel zog Katzenelson mit seiner Familie nach Warschau, wo sie im Ghetto strandeten. Seine Frau und zwei seiner Söhne wurden nach Treblinka deportiert und dort ermordet. Er selbst war aktiv am Aufstand des Warschauer Ghettos beteiligt und konnte Dank gefälschter Papiere zunächst aus dem Ghetto entkommen, wurde bald darauf aber von der Wehrmacht in ein Sonder-KZ nach Vittel am Rande der Vogesen deportiert.
In Vittel schrieb er auch sein wichtigstes Werk: „Dos Lied vunem ojsgehargetn jidischn Volk“ Dieser „Grosse Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk“ umfasst 15 Gesänge in 225 langzeiligen Strophen. Es ist die die bekannteste Dichtung der Shoah. Die auf wundersame Weise gerettet und überliefert wurde. Jizchak Katzenelson hatte das Manuskript in Flaschen verpackt und unter einem Baum vergraben.
Jizchak Katzenelson wurde im Mai 1944 in Auschwitz vergast. Das Manuskript wurde nach der Befreiung des Lagers gefunden, bereits im Jahr darauf im jiddischen Original veröffentlicht und seitdem in viele Sprachen übersetzt.
1994 erschien im Verlag Hoffmann und Campe Wolf Biermanns Übertragung mit dem Faksimile von Katzenelsons Handschrift sowie ausführliche Beträge zu historischem Kontext und Entstehung und Übersetzung.
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