#9 | Wolfgang Kaleck: Die Stärke des Rechts versus das Recht des Stärkeren
Episode von On Justice - Eine Diskursreihe von HAU Hebbel am Ufer · 17. September 2026 · 1 h 32 min
Die geopolitische Situation hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. In der neuen multipolaren Konstellation mit einem erstarkten Asien, allen voran China, und einem gespaltenen Westen ist auch nach der zukünftigen Bedeutung des Völkerrechts zu fragen. Allerdings war die Welt für viele Menschen nie in Ordnung und die letzten Jahrzehnte waren voller Regelbrüche wie Kriege und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine, die Kriegsverbrechen Israels in Gaza, auf der Westbank und im Iran, die Intervention der USA in Venezuela sprechen dafür, dass das Völkerrecht und die Menschenrechte zunehmend missachtet werden. In dieser viel beschworenen Zeitenwende stellt sich die fundamentale Frage, ob das internationale Recht stark genug ist, diesem Sturm zu widerstehen, oder in Zukunft einfach das Recht des Stärkeren gilt.
Wolfgang Kaleck, einer der international renommiertesten Menschenrechtsanwälte, argumentiert in seiner Streitschrift, dass Völkerrecht und Menschenrechte nicht zur Disposition stehen dürfen, gerade weil sie im Kern einen immensen Fortschritt auf dem Weg zu einer gerechteren Welt darstellen – trotz aller Ambivalenzen, Erschütterungen und Rückschläge. Er plädiert dafür, den Kern des Völkerrechts, also das Gewaltverbot und das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das Folterverbot und die internationale Gerichtsbarkeit pragmatisch in großen Koalitionen zu verteidigen. Allerdings schlägt er vor, ein darüber hinausgehendes utopisches Projekt einer sozial gerechten gewaltfreien Welt zu entwickeln.
Aus Anlass der Präsentation seines neuen Buches “Die Stärke des Rechts versus das Recht des Stärkeren – Plädoyer für Völkerrecht und Menschenrechte”, das am 12. März im Kunstmann Verlag erscheint, spricht Wolfgang Kaleck am HAU mit Gästen über Menschenrechte und die völkerrechtliche Friedensordnung. Aber bieten Zeitenwenden – und eine solche zeichnet sich ab – nicht auch Chancen für positive Veränderungen? Um diese zu ergreifen, soll an diesem Abend auch über neue Bündnisse und Netzwerke aus sozialen Bewegungen, institutionellen Akteur*innen und Expert*innen aus Recht, Kunst, Ökologie, Feminismus und Postkolonialismus gesprochen werden.
Weitere Episoden von „On Justice - Eine Diskursreihe“
- #10 | Racial (In)Justice in Authoritarian Times 24. September 2026
Über den Podcast
Kann eine plurale Gesellschaft verteidigt werden, indem wir uns wieder stärker auf eine universelle Gleichheit vor dem Gesetz stützen? In der Reihe “On Justice” möchte das HAU das Recht als zivilgesellschaftliches Instrument für progressive Bewegungen und Kämpfe um Gerechtigkeit thematisieren.…
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