#28 Die Metamorphosen des Ovid. Oder wenn Elfenbein zum Leben erwacht.
Episode von Noch nicht am Ende - Der Latein-Podcast von Sina und Gero · 1. April 2026
Nach einer kurzen, aber dennoch zu langen Pause sind wir passend zum Frühling wieder für euch da und haben euch einen Klassiker des Lateinunterrichts mitgebracht: Die Metamorphosen des Ovid. Noch heute sind viele Geschichten aus diesem bedeutenden Epos bekannt und werden immer wieder aufgegriffen: Pyramus und Thisbe, Ikarus, der zu nah an die Sonne flog oder die tragische Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, der sein eigenes Spiegelbild liebte, und seiner Verehrerin, die stets nur seine letzten Worte wiederholen konnte - Narciussus und Echo. Sie alle werden nur zu gerne immer wieder aufgegriffen. Zusammen mit unserem heutigen Gast widmet sich Gero dem Mythos um Pygmalion, der sich nach seiner perfekten Frau sehnt und dafür Venus um Beistand bittet.
An dieser Stelle ein kurzer Disclaimer: Diese Folge thematisiert sexuelle Übergriffigkeit und Gewalt. Wir sind uns bewusst, dass dieses Thema für einige Höhrer*innen belastend sein kann. Allerdings sind solche Themen nicht nur Teil des überlieferten Corpus, sondern waren elementarer Bestandteil des antiken Diskurses und sollten auch deshalb in unseren Augen kritisch thematisiert werden. Das beabsichtigen wir mit dieser Folge. Solltet ihr von euch wissen, dass euch entsprechende Themen stark belasten, überspringt gerne diese Folge und wir würden uns freuen euch in der nächsten Folge wieder begrüßen zu dürfen.
Quas quia Pygmalion aevum per crimen agentis
viderat, offensus vitiis, quae plurima menti
femineae natura dedit, sine coniuge caelebs
vivebat thalamique diu consorte carebat.
interea niveum mira feliciter arte
sculpsit ebur formamque dedit, qua femina nasci
nulla potest, operisque sui concepit amorem.
Ov. met. 10,250-258:
et, si non obstet reverentia, velle moveri:
ars adeo latet arte sua. miratur et haurit
pectore Pygmalion simulati corporis ignes.
saepe manus operi temptantes admovet, an sit
corpus an illud ebur, nec adhuc ebur esse fatetur.
oscula dat reddique putat loquiturque tenetque
et credit tactis digitos insidere membris
et metuit, pressos veniat ne livor in artus.
Ov. met. 10,280-289:
incumbensque toro dedit oscula: visa tepere est;
admovet os iterum, manibus quoque pectora temptat:
temptatum mollescit ebur positoque rigore
subsidit digitis ceditque, ut Hymettia sole
cera remollescit tractataque pollice multas
flectitur in facies ipsoque fit utilis usu.
dum stupet et medio gaudet fallique veretur,
rursus amans rursusque manu sua vota retractat;
corpus erat: saliunt temptatae pollice venae.
Musik Intro und Outro: Don't Feel (So Low) by Mid-Air Machine (Free Music Archive)(CC BY-SA)
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