Vaskulitis 2.0
Episode von Niere2go von Nephrologisches Zentrum Villingen-Schwenningen · 1. Februar 2026 · 49 min
Ein Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Kronbichler, Medizinische Klinik IV, Universität Innsbruck
In dieser Podcastfolge von Niere2go begrüßen die Moderatoren Bernd Hohenstein und Daniela Schmiedecke den Experten Prof. Andreas Kronbichler, Klinikdirektor in Innsbruck, um ein Update zur Behandlung der ANCA-assoziierten Vaskulitis zu geben. Kronbichler teilt dabei nicht nur fachliche Einblicke, sondern auch persönliche Erfahrungen seines "nomadischen" Werdegangs, der ihn über Jena und Cambridge zurück nach Österreich führte. Er thematisiert die Herausforderungen seiner Rolle als Klinikchef, in der er trotz zunehmender Bürokratie die Spezialisierung und die Förderung des weiblichen Nachwuchses vorantreiben möchte, während er privat den Ausgleich beim Wandern in den Tiroler Bergen sucht.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs sind die Neuerungen in der KDIGO-Leitlinie und aktuelle Therapiemöglichkeiten. Kronbichler hebt hervor, dass Avacopan als steroidsparende Substanz ein "Gamechanger" für die Nierenfunktion im ersten Jahr sein kann, während der Einsatz des Plasmaaustauschs nach der PEXIVAS-Studie kontrovers bleibt und nur noch bei schweren Verläufen (z. B. Lungenblutungen) individuell erwogen wird. Kritisch sieht er die verbleibende Rolle von Azathioprin und Cyclophosphamid in den Leitlinien, da Rituximab mittlerweile nicht nur effektiver, sondern durch Biosimilars auch gesundheitsökonomisch vorteilhafter sei.
Mit Blick auf die Zukunft diskutieren die Experten innovative Ansätze wie die CAR-T-Zell-Therapie und bispezifische Antikörper. Da die Vaskulitis jedoch eine akute Erkrankung ist, stellt die lange Produktionszeit der CAR-T-Zellen derzeit noch eine Hürde dar, weshalb sie primär für refraktäre Fälle relevant bleiben könnten. Abschließend betont Kronbichler die enorme Bedeutung der Infektionsprophylaxe; er plädiert für konsequente Impfstrategien (u. a. gegen Herpes Zoster und RSV) und eine standardisierte Aufklärung der Patienten, um die durch die Immunsuppression bedingten Komplikationen zu minimieren.
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