Licht, das zerstört und Licht, das heilt / Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen
Episode von Morgenimpuls von DOMRADIO.DE · 6. August 2026 · 77 h 13 min
Vor 81 Jahren fiel die Atombombe auf Hiroshima. Wenn das Licht ausgeht, ist es dunkel. Ein heller Lichtblitz zerstörte eine ganze Stadt mit ihren Menschen.
Wenn das Licht ausgeht, ist es dunkel. "Kam, kam, kam ein Licht. Wollt leuchten, wollt leuchten."
Diese Zeilen stammen von Paul Celan. Und sie haben etwas sehr Menschliches in uns. Dunkelheit kann Angst machen. Sie nimmt uns den Blick in die Zukunft.
In die Zukunft zu schauen, ist immer riskant. Aber das mussten die Menschen nach diesem Blackout. Es gibt Unwägbarkeiten, Entwicklungen, die wir nicht beeinflussen können, in denen wir Opfer sind. Und solche, die uns überraschen: Wissenschaftliche Prognosen, gesellschaftliche Trends und unsere eigenen Pläne. Manches trifft ein, manches nicht. Die Geschichte des Menschen ist nie linear. Sie ist immer geprägt von Unvorhersehbaren.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet, den Blick auf das Kommende zu richten. Veränderungen, Rahmenbedingungen, Entwicklungen nüchtern zu prüfen und zugleich den Blick für Gottes Gegenwart in unserem Leben nicht zu verlieren. Denn das ist die Erfahrung des Volkes Gottes. Immer wieder bricht Gott die Geschichte auf, überrascht uns. Und Christus selbst war eine solche Überraschung. Lange erwartet und doch anders, als die Menschen es sich vorgestellt hatten.
Der Apostel Paulus schreibt: Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Ein Bild für Hoffnung mitten in der Dunkelheit. Und vielleicht auch ein Bild für uns. Wenn wir warten, ist es manchmal besser, nicht starr zu verharren, sondern auf die Schritte Gottes zuzugehen, die uns entgegenkommen. Für die Zeiten der Dunkelheit gibt Gott uns kleine Lichter mit auf den Weg. Sie helfen uns weiterzugehen, uns nicht zu verlieren und die Richtung zu behalten. Diese Lichter sind Begegnungen, Hoffnungen, Mut, kleine Zeichen, an denen wir spüren, du bist nicht alleine.
Vielleicht ist das die wichtigste Erfahrung: Wer bereit ist, sein Herz zu öffnen, wer die kleinen Lichter wahrnimmt, der kann Gott begegnen, mitten in der Dunkelheit, mitten im Alltag. Denn das Licht kommt auf uns zu, auch wenn wir es nicht immer vorhersehen können.
Und so bleibt: immer wieder aufbrechen, Licht suchen, den Blick öffnen und dem Licht erlauben, uns zu führen.
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