Positives Denken
Episode von Morgenimpuls von DOMRADIO.DE · 13. September 2026 · 4 min
Heute ist der Tag des positiven Denkens. Eigentlich interessant, dass man einen solchen Tag braucht. Der Glaube will aber genau auch das in unserem Leben erwirken, positives Denken. Dabei beginnt der Glaube oft nicht am helllichten Tag, sondern in der Nacht, so wie bei Nikodemus. Er kommt zu Jesus mit Fragen, mit Unsicherheit, mit einer Sehnsucht nach mehr. Nicht als Gegner, sondern – das macht ihn besonders – als Suchender.Das Johannesevangelium beschreibt Glauben dabei nie als Besitz. Glauben ist kein Substantiv, kein Haben, es ist ein Verb. Glauben heißt sich anvertrauen, sich binden, sich in Bewegung setzen, nicht nur etwas für wahr halten, sondern jemandem das eigene Leben anvertrauen, positiv zu denken, könnte man auch sagen. Jesus spricht mit Nikodemus von einer neuen Geburt, von einem Leben aus dem Geist und er benutzt ein starkes Bild: Der Wind weht, wo er will. Der Geist Gottes ist nicht verfügbar. Er ist kontrollierbar, aber nicht erfahrbar, wie der Wind unsichtbar und doch mit spürbarer Wirkung.Dieses Leben aus dem Geist steht quer zu vielem, was unseren Alltag prägt, zu Selbstoptimierung, Leistungsdruck, ständiger Vergleichbarkeit. Ein Leben aus dem Geist lebt nicht aus reiner Selbstüberzeugung. Es lebt aus Beziehung, aus dem Vertrauen, dass mein Wert nicht gemacht, sondern geschenkt ist, positives Denken eben. Im Zentrum steht dabei ein Wort Liebe, nicht irgendeine Liebe, sondern Agape, eine Liebe, die nicht berechnet, nicht festhält, nicht sich selbst sucht.So liebt Gott die Welt, nicht als heile Idylle, sondern in all ihrer Ambivalenz und Gottesferne. Und das Ziel dieser Liebe ist nicht bloß ein Leben nach dem Tod. Es ist ewiges Leben, Leben in Gemeinschaft mit Gott. Nikodemus bleibt ein Suchender. Er versucht positiv zu denken und darin wächst er und am Ende tritt er ins Licht.Vielleicht ist das auch unsere Frage: Wo suche ich nach Sinn, Wahrheit, Orientierung? Wo beginnt mein Glaube vielleicht noch in der Nacht und wo lädt Gott mich ein, einen Schritt ins Licht zu wagen, auch wenn sich manches verändert? Denn wo wir uns dem Geist öffnen, da beginnt Leben, nicht perfekt, aber echt, eben positives Denken.
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