Maria war kein weltfremder Hanns Guck-in-die-Luft
Episode von Morgenimpuls von DOMRADIO.DE · 15. August 2026 · 4 min
Erinnerst du dich noch an den Struwwelpeter? Aus dem Haus der Großeltern ist er vielen von uns in lebendiger Erinnerung geblieben. Er ist keine moderne Erziehungsliteratur, aber voller Geschichten, die irgendwie nachwirken. Eine hat mich besonders geprägt: die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft. Hanns läuft durch die Welt und starrt oberflächlich in den Himmel. Er ist verträumt, fasziniert von den Wolken, völlig abwesend. Wir bewerten das heute schnell als Unaufmerksamkeit. Doch eigentlich zeigt Hanns eine zutiefst menschliche und schöne Haltung: das Aufschauen, das sich Öffnen für das Größere das Höhere, das über unseren oft grauen Alltag hinausweist. Aber wir wissen, wie es ausgeht. Weil Hanns den Blick nicht senkt, übersieht er die Realität, stolpert und fällt ins Wasser. Er vergisst die Erde. Dabei gehören Himmel und Erde doch zusammen.Das zeigt uns das heutige Fest, dass wir in der Kirche feiern: die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Maria wird ganz mit Leib und Seele in die göttliche Herrlichkeit aufgenommen. Ihre Seele schaut auf das Ewige, den Himmel, aber ihr Leib steht zutiefst für das geerdete Leben. Maria war kein weltfremder Hanns Guck-in-die-Luft. Ihr Alltag war fest verwurzelt in der harten Realität ihrer Zeit als Tochter, als Mutter, als Frau in einer einfachen Gemeinschaft. Sie erlebte tiefe Freude, aber auch bitteres Leid.Wenn sie in ihrem berühmten Lobgesang, dem Magnificat, Gott preist, dann dankt sie ihm nicht nur für eine Flucht aus der Welt, sondern für seine Gerechtigkeit hier auf der Erde. Glauben und Hoffnung bleiben genau dann lebendig, wenn wir beides zusammenhalten, den Blick nach oben und den Blick für die Menschen hier unten. Darin ist uns Maria eine wunderbare Begleiterin. Sie lädt dich ein, den Blick vertrauensvoll nach oben zu richten, Kraft im Glauben zu suchen und genau daraus die Stärke zu schöpfen und mit offenen Augen, helfenden Händen und mit einem klaren Herzen mitten in der Welt zu leben.
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