Dr. Jörg Reichert, Netze BW „Die Energiewende funktioniert nur, wenn wir Erzeugung, Speicher und Netze synchronisieren."

Episode von Megawatt & Friends – Energie neu denken von Jan Liepold · 19. August 2026 · 48 min

Der Ausbau von Photovoltaik, Windkraft und Batteriespeichern nimmt Fahrt auf und zunehmend entscheidet das Stromnetz darüber, wie schnell die Energiewende tatsächlich vorankommt. Dr. Jörg Reichert, Vorsitzender Geschäftsführer von Netze BW, spricht mit Moderator Jan Liepold darüber, warum das Verteilnetz zum zentralen Rückgrat der Transformation wird und welche gewaltige Investitionsaufgabe damit verbunden ist.

Mehr als 30 Milliarden Euro will Netze BW bis 2045 in sein Verteilnetz investieren. Allein bis 2030 soll das jährlich investierte Kapital im Stromnetz auf rund eine Milliarde Euro steigen. Denn große Teile der Hochspannungsinfrastruktur müssen erweitert oder neu gebaut werden. Gleichzeitig wächst der Druck durch neue Anschlussbegehren: Einer Spitzenlast von rund sieben Gigawatt stehen bei Netze BW inzwischen Batterieanfragen von deutlich mehr als zehn Gigawatt gegenüber.

Für Jörg Reichert reicht deshalb „mehr Kupfer“ allein nicht aus. Bestehende Netze müssen besser ausgelastet, konsequent digitalisiert und Flexibilitäten intelligenter genutzt werden. Flexible Netzanschlussverträge, neue Kriterien für die Priorisierung anschlusswilliger Projekte sowie eine bessere Steuerbarkeit von Erzeugung und Verbrauch können dabei helfen, vorhandene Kapazitäten effizienter zu nutzen und die Kosten der Energiewende zu begrenzen.

Außerdem sprechen die beiden darüber, warum das bisherige Windhundprinzip bei Netzanschlüssen an seine Grenzen kommt, welche Rolle Projektreife und Daseinsvorsorge künftig spielen könnten und weshalb ein attraktiver regulatorischer Rahmen entscheidend dafür ist, die Milliardeninvestitionen in die Netze zu finanzieren. Und es geht um die Frage, wie Digitalisierung, Smart Meter und KI dazu beitragen können, ein immer komplexeres Energiesystem sicher zu steuern.

Reicherts Zielbild: Die Energiewende muss Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zusammenbringen und dazu beitragen, industrielle Wertschöpfung in Deutschland zu halten. Denn eine leistungsfähige Energieinfrastruktur ist nicht nur Voraussetzung für die Transformation, sondern ein entscheidender Standortfaktor.

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