Das Kind hinter der Scheibe

Episode von LUMINA Soulcast von Katja Koppe · 21. August 2026 · 26 min

An der Geburtsstation der Charité hing im Oktober 1982 ein Schild. „An alle Muttis!“, stand darauf. „Wir zeigen Ihnen täglich 2x Ihre Kinder.“ Von 10.45 bis 11.00 Uhr. Und von 16.30 bis 16.45 Uhr.

Zwei mal fünfzehn Minuten am Tag. Das Schild gibt es noch. Es liegt in der Charité.

Angefangen hat diese Folge in einem Reading. Danach habe ich wochenlang recherchiert — und gefunden, dass Neugeborene im ganzen 20. Jahrhundert nach der Geburt ins Säuglingszimmer kamen und zu festen Zeiten zu ihren Müttern gefahren wurden. In der Sowjetunion, in der DDR — und genauso in Westdeutschland, in England, in den USA.

Ich erzähle, wie das konkret aussah. Warum niemand es infrage stellte. Und was es für einen wenige Stunden alten Menschen bedeutet, stundenlang allein zu liegen.

Und dann drehe ich die Richtung um. Denn es gibt einen Befund, der viel weniger bekannt ist als alle Schreckenszahlen — und der viel wichtiger ist: was Nähe tatsächlich bewirkt. Nicht einmalig in den ersten Stunden. Jedes Mal neu.

Eine Folge für alle, die zwischen den Sechzigern und den Neunzigern geboren wurden. Und für die Frauen, die damals geboren haben.

Quellen:

Das Schild der Charité, Oktober 1982: Berliner Zeitung, 06.03.2017 — berliner-zeitung.de/article/charite-berlin-gebaeren-im-geburtsraum-statt-im-kreisssaal-43928

Die Kinderschwester aus dem Erzgebirge: Interview von Anke Kirsten mit Christina Meyer, 27.11.2018 — wer-ist-eigentlich-dran-mit-katzenklo.de/entbindung-ddr

Katja Koppe

Artist & Mind Mentor

http://instagram.com/mumpart

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