Ernährungsberatung oder -therapie? Das große Feld der Ernährung! | Dr. Andrea Morawe erklärt
Episode von LandMEDchen von Andrea Morawe · 25. März 2026 · 22 min
Letztens saß in der Sprechstunde von Dr. Andrea Morawe eine Patientin, der die Krankenkasse eine Ernährungsberatung empfohlen hat. Doch genau an diesem Punkt beginnt die große Verwirrung im deutschen Gesundheitssystem, zu unterscheiden ist nämlich zwischen Ernährungsberatung und Ernährungstherapie.
Laut WHO gehören Ernährung und Übergewicht zu den häufigsten Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. 74% der Todesfälle hängen mit nicht-übertragbaren Krankheiten zusammen, viele davon stehen in direktem Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung, Alkoholkonsum und Rauchen.
47% der Frauen und 60% der Männer in Deutschland sind übergewichtig – ein Viertel der Deutschen gilt als adipös.
Doch warum investieren wir auch auf Seiten der Politik so wenig Geld in präventive Maßnahmen? Ernährung ist schließlich kein Randthema, wie die Zahlen zeigen. Trotzdem liegen die Ausgaben für Prävention bei nur 5% der Ausgaben im Gesundheitssystem.
Andrea erklärt die verschiedenen Player im System:
Ökotropholog:innen haben ein Studium absolviert und arbeiten dann oft in der Ernährungsberatung, in der Forschung oder in der Entwicklung von Präventionsprogrammen.
Diätassistent:innen haben eine staatlich anerkannte Ausbildung und sind oft klinisch tätig in Arztpraxen, Rehabilitationseinrichtungen oder Kliniken. Sie beschäftigen sich klassischerweise mit der Erstellung von Ernährungsplänen.
Ernährungswissenschaftler:innen haben ein Studium absolviert und beschäftigen sich mit wissenschaftlichen Fragestellungen, z.B. wie Ernährung Krankheiten beeinflusst und Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat. Sie arbeiten oft an Universitäten oder in Forschungsprojekten, sowie in der Lebensmittelindustrie.
Lebensmittelchemiker:innen setzen sich mit der Zusammensetzung von Lebensmitteln auseinander. Sie arbeiten in Laboren oder in der Qualitätskontrolle in der Lebensmittelindustrie.
Lebensmitteltechnolog:innen beschäftigen sich mit Verpackung und Haltbarkeit. Sie sind in der Lebensmittelindustrie tätig.
Dann gibt es noch Sportwissenschaftler, die sich mit Trainingsphysiologie, Sporternährung oder mit der Erstellung von Trainingsplänen beschäftigen.
Ärzt:innen beschäftigen sich hauptsächlich mit der Diagnostik. Aber nicht jeder Arzt ist Ernährungsexperte! Denn Ernährungsmedizin ist im Studium deutlich unterrepräsentiert.
Deswegen können Ärzt:innen die Zusatzbezeichnung Ernährungsmedizin erlangen. Andrea hat diese gerade auch gemacht und erzählt von ihrer Fortbildung. Dabei lernt man über klassische ernährungsmedizinische Krankheitsbilder wie Adipositas, aber auch über die gezielte Ernährung von chronisch Kranken, enterale und parenterale Ernährung, sowie über Prävention.
Die Ernährungsberatung gehört zum Feld der Präventionsmedizin. Wenn ein Arzt Risikofaktoren beim Patienten sieht, dann kann er diese verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen zum großen Teil die Kosten, die Beratung ist oft in Präventionsprogrammen angesiedelt.
Ernährungstherapie richtet sich an Patient:innen, bei denen schon eine Diagnose gestellt wurde, wie Adipositas, Zöliakie oder Mangelernährung. Diese wird über eine ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung initiiert. Diese ist eine Kann-Leistung der Krankenkasse, diese übernehmen somit unterschiedlich viel der Behandlung.
Wichtig: Diese Notwendigkeitsbescheinigung belastet das Heilmittelbudget der Hausarztpraxis nicht.
Zum Schluss erklärt Andrea noch den Fall der Patientin, der die Ernährungsberatung empfohlen wurde – eigentlich hätte diese jedoch eine Ernährungstherapie gebraucht! Die Abnehmspritze wird bisher von den Krankenkassen nicht übernommen, da es sich hier um ein Lifestyle-Medikament handelt.
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