Wenn der Konflikt Dich hat: Warum wir unter Druck anders denken – und wie Führung handlungsfähig bleibt

Episode von Konflikte lösen. Krisen meistern. Mit Tanja Knob. von Tanja Knob · 2. Oktober 2026 · 1 h 09 min

Was passiert eigentlich mit uns, wenn ein Konflikt eskaliert? Und warum können zwei Menschen dieselbe Situation erleben – und trotzdem in völlig unterschiedlichen Wirklichkeiten landen?

Konflikte beginnen häufig unspektakulär: mit einer E-Mail, einer unklaren Zuständigkeit, einem Satz im Meeting oder einer Entscheidung, die jemand anders getroffen hat. Doch was zunächst wie eine Sachfrage aussieht, berührt nicht selten etwas viel Grundsätzlicheres: Anerkennung, Autonomie, Zugehörigkeit, Werte – manchmal sogar die eigene Würde.

In dieser Folge von „Konflikte lösen. Krisen meistern.“ spreche ich mit Michael Quas, Psychologe, Top-Executive-Coach und systemischer Organisationsberater, darüber, was psychologisch in Menschen geschieht, wenn Konflikte und Krisen an Intensität gewinnen. Denn wir reagieren nicht einfach auf das, was passiert. Wir reagieren auf die Bedeutung, die wir dem Geschehen geben. Unsere Erfahrungen, Werte, Bedürfnisse, Selbstbilder und bisherigen Beziehungserfahrungen wirken wie Filter. Unter emotionalem Druck verengt sich unsere Wahrnehmung zusätzlich. Wir nehmen bestimmte Signale besonders stark wahr, interpretieren sie im Licht unserer bisherigen Erfahrungen – und verwechseln schließlich nicht selten unsere Bewertung mit dem, was tatsächlich beobachtbar ist.

Genau hier beginnt eine Dynamik, die Führung besonders anspruchsvoll macht.

Denn Führungskräfte stehen häufig mitten in Situationen, in denen nicht nur sachliche Interessen aufeinanderprallen, sondern auch Identität, Beziehung, Zugehörigkeit und Status berührt werden. Gleichzeitig sollen sie Orientierung geben, Entscheidungen treffen, Konflikte moderieren und selbst möglichst klar bleiben.

Doch was passiert, wenn die Führungskraft selbst Teil der Konfliktdynamik wird?

Michael beschreibt im Gespräch einen entscheidenden Kipppunkt:

Irgendwann habe nicht mehr ich einen Konflikt – sondern der Konflikt hat mich.

Dann fällt es immer schwerer, auf die Metaebene zu wechseln, Fakten und Interpretation voneinander zu trennen und sich selbst beim Denken und Reagieren zu beobachten. Die eigene Geschichte über den Konflikt wird zunehmend zur vermeintlichen Wirklichkeit. Und häufig suchen wir dann nicht mehr nach neuen Informationen, sondern vor allem nach Bestätigung für das, was wir ohnehin bereits glauben.

Genau darin liegt eine der zentralen Führungsfragen dieser Folge:

Woran merke ich, dass ich selbst nicht mehr beobachte, sondern bereits reagiere?

Unter Stress verengt sich unsere Wahrnehmung. Bestimmte Reize werden zu Triggern, bekannte Muster springen an und der Raum zwischen Reiz und Reaktion wird kleiner. Angriff, Rückzug oder Erstarrung können dann schneller einsetzen als bewusste Reflexion. Handlungsfähigkeit entsteht dort wieder, wo es gelingt, diesen Raum erneut zu öffnen und eine Reflexionsschleife zwischen Reiz und Reaktion zu schalten.

Gerade für Führungskräfte ist das entscheidend. Denn Konfliktfähigkeit bedeutet nicht, konfliktfrei zu sein. Sie bedeutet auch nicht, Harmonie um jeden Preis herzustellen oder besonders streitlustig zu werden. Konfliktfähigkeit heißt vielmehr, auch unter emotionalem Druck in Beziehung, Reflexion und Handlung bleiben zu können.

Wir sprechen in dieser Folge unter anderem darüber,

- warum zwei Menschen dieselbe Situation vollkommen unterschiedlich wahrnehmen können,

- wie aus Beobachtungen Bewertungen und schließlich vermeintliche Gewissheiten werden,

- welche Rolle unsere persönliche Geschichte, Werte und Selbstbilder dabei spielen,

- wie alte Reiz-Reaktions-Muster unsere Handlungsfähigkeit beeinflussen,

- warum die Trennung von Fakten und Bewertungen ein wichtiger erster Schritt aus der Eskalation sein kann, uvm.

Eine Folge über die Psychologie von Konflikten, über Wahrnehmung und Wirklichkeit, Trigger und Grundbedürfnisse, Eskalation und Selbstreflexion – und über die Frage, wie Führung auch dort möglich bleibt, wo einfache Antworten nicht mehr tragen.

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Über den Podcast

Konflikte lösen. Krisen meistern. Der Podcast für Führung, Veränderung und persönliche Entwicklung. Wie gelingt es, Konflikte konstruktiv zu lösen? Wie bleiben Menschen und Organisationen auch in Krisen handlungsfähig? Und was brauchen Führungskräfte, Teams und Unternehmen, um Veränderungen…

Konflikte lösen. Krisen meistern. Mit Tanja Knob.

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