#32 - 417 zu 3: Amerika stimmt ab, wer den Strom für die KI zahlt. Trump baut eine AI-Force. Und der Kongress hört, dass der Mensch in der Tötungskette nicht mehr mitkommt.
Episode von KI-Neandertaler mit Malcolm Werchota von Malcolm Werchota · 21. September 2026 · 28 min
417 zu 3. So einstimmig hat das US-Repräsentantenhaus selten etwas beschlossen: Nicht die Anwohner sollen die steigenden Strompreise zahlen, sondern die Rechenzentren. Trump kündigt am Samstag eine AI-Force an und sucht einen KI-Zar. Und in einer Anhörung des Kongresses sagt eine ukrainische Forscherin einen Satz, der hängen bleibt: Ein Freigabeknopf ist noch keine Kontrolle.
Heute fast ausschließlich aus den USA. Und der Montagsfaden darunter ist immer dasselbe Wort: Einverständnis — wer unterschreibt, und was diese Unterschrift noch wert ist.
In dieser Folge:
🌑 Jev — warum euer LinkedIn brennt (01:49) — ein wirklich neuer Modelltyp, kein ChatGPT, kein Claude, kein Gemini. Es schreibt keinen Text, es gibt getippte Urteile mit Wahrscheinlichkeiten zurück. Schneller in der Suche, weniger Halluzinationen, deutlich niedrigere Token-Kosten. Ein kurzer Deep Dive — die ganze Stunde gibt es diese Woche im KI-Kochbuch.
🌑 Trump baut eine AI-Force (08:12) — am Samstag, dem 19., angekündigt und direkt mit der Space Force verglichen. Dazu ein KI-Zar, ein Beauftragter quer über alle Behörden. Im Tweet steht sinngemäß: Bewerbt euch, wenn ihr einen sehr hohen IQ habt. Seine Linie ist klipp und klar — "we will not in any way hinder or stifle the growth of this incredible industry". Gleichzeitig unterschreibt Gavin Newsom die Executive Order N926: eine Expertengruppe, Empfehlung bis Mitte November, Thema unter anderem der Kill Switch. Und in Denver wird Colorados Gesetz gegen algorithmische Diskriminierung angegriffen — mit dem First Amendment, vorneweg Elon Musks xAI.
🌑 Wer zahlt den Strom? (12:29) — wenn ihr neben einem Rechenzentrum wohnt, steigt euer Strompreis. Nicht um drei oder fünf Prozent, manchmal aufs Doppelte oder Dreifache. Großlastkunden über 100 Megawatt sind 2026 praktisch nur KI-Rechenzentren. Der Ratepayer Protection Act ging mit 417 zu 3 durchs Haus — jetzt in den Senat, also noch kein Gesetz. Eine AP-NORC-Umfrage unter 3.400 Erwachsenen im Juli: 84 % sorgen sich um steigende Stromkosten, rund 50 % um die Umweltfolgen. Und Anthropic? Verpflichtet sich zu einem Rechenzentrum in Dalby, Queensland — 32 Milliarden australische Dollar. Ich merke das übrigens im Beratungsalltag: Vor einem Jahr war KI-Berater interessant. Heute wird man schief angeschaut.
🌑 Darf eine KI töten? (17:17) — die Frage ist nicht ja oder nein. Es passiert bereits. Am Mittwoch, dem 16., tagte die Tom-Lantos-Menschenrechtskommission zum Thema Künstliche Intelligenz im militärischen Bereich. Geladen: eine ukrainische KI-Governance-Forscherin, Amnesty International, ein ehemaliger Offizier, die Carnegie-Stiftung, Human Rights Watch. In Afghanistan dauerte die Kette vom erkannten Ziel bis zum Abschuss sechs Stunden bis vier Tage. Heute dauert sie Minuten. Und wenn ein Zwanzigjähriger einen Schwarm von zwanzig Drohnen fliegt — sagt mir bitte nicht, dass er jede einzelne Entscheidung noch prüfen kann.
🌑 Quick Hits (22:33) — ein Format, das ich zuerst auf Englisch getestet habe. Die Seattle Times und Newsday verklagen OpenAI und Microsoft vor einem Bundesgericht in Manhattan: Die Modelle lesen alles hinter der Bezahlschranke und trainieren damit. Und Anthropic holt sich einen externen Prüfer für seine Agenten — Accenture. Das ist derselbe Accenture, der Kunde von Anthropic ist und Anthropic-Produkte weiterverkauft. Unabhängig, ja. Mein Steuerprüfer ist auch mein Freund, mit meiner Tante verheiratet, und wir wohnen alle im selben Haus.
🌑 Abmoderation (25:09) — der Montagsfaden, und warum 417 zu 3 in einem so polarisierten Land bemerkenswert ist.
Bleibt neugierig. Bleibt menschlich.
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