GitHub Actions, GitLab CI oder Jenkins: Was ist die beste Pipeline?
Episode von IT for Business Podcast von Mirko Peters · 19. August 2026 · 23 min
GitHub Actions, GitLab CI oder Jenkins – welche CI/CD-Plattform ist die richtige? Die Antwort hängt weniger von einzelnen Funktionen ab als von Repository-Struktur, Netzgrenzen, Security-Anforderungen und dem Team, das die Pipeline später betreiben muss. Denn die teuerste Pipeline ist nicht unbedingt die mit den höchsten Lizenzkosten, sondern die, die im Alltag niemand zuverlässig warten und verantworten kann. In dieser Folge von IT for Business vergleichen wir die drei Plattformen deshalb aus Betriebs- und Architektursicht.
WAS EINE CI/CD-PIPELINE LEISTEN MUSS
Eine tragfähige Pipeline schafft einen kontrollierten Weg von einer Codeänderung bis zur laufenden Anwendung. Code wird geprüft, gebaut und getestet. Anschließend entsteht ein eindeutig versioniertes Artefakt oder Container Image.Entscheidend ist, dass genau dieser geprüfte Stand durch Test-, Staging- und Produktionsumgebungen wandert. Wird nach dem erfolgreichen Test für Produktion erneut gebaut, kann dort plötzlich ein anderer Stand landen.Eine Pipeline ist deshalb weit mehr als eine YAML-Datei. Sie ist Bestandteil der Betriebsarchitektur.
SECURITY UND RUNNER VON ANFANG AN PLANEN
Secrets, Zertifikate und Zugangstoken gehören nicht in Quellcode oder Pipeline-Dateien. Ebenso wichtig sind nachvollziehbare Berechtigungen und getrennte Zugriffe für Entwicklung, Test und Produktion.Eine zentrale Rolle spielen Runner beziehungsweise Agents. Hosted Runner reduzieren den eigenen Infrastrukturaufwand. Self-hosted Runner ermöglichen dagegen den Zugriff auf interne Systeme und abgeschottete Netzwerke.Ein Runner mit Zugriff auf Produktionssysteme ist jedoch ein sicherheitskritischer Bestandteil der Infrastruktur. Patchmanagement, Segmentierung, Berechtigungen und Monitoring müssen entsprechend geplant werden.
GITHUB ACTIONS: NAHELIEGEND FÜR GITHUB-TEAMS
Wenn der Quellcode bereits auf GitHub liegt, bietet GitHub Actions einen kurzen Weg zur Automatisierung. Workflows liegen direkt im Repository und können durch Pushes, Pull Requests, Releases oder manuelle Aktionen ausgelöst werden.Code, Reviews und Pipeline befinden sich dadurch nah beieinander. Besonders für Webanwendungen, APIs und Container-Workloads können Teams schnell eine funktionierende CI/CD-Strecke aufbauen.Mit wachsender Anzahl an Projekten werden jedoch gemeinsame Standards, Vorlagen und Verantwortlichkeiten notwendig.
DER MARKETPLACE ALS SUPPLY-CHAIN-RISIKO
GitHub Actions bietet zahlreiche fertige Actions aus dem Marketplace. Sie können die Implementierung erheblich beschleunigen.Dabei handelt es sich jedoch um externen Code, der innerhalb der eigenen Pipeline ausgeführt wird. Herkunft, Wartungszustand und benötigte Berechtigungen sollten deshalb geprüft werden.Versionen sollten außerdem kontrolliert fixiert werden, damit sich eine externe Abhängigkeit nicht unbemerkt verändert und dadurch zukünftige Produktionsläufe beeinflusst.
GITLAB CI: DER PLATTFORMANSATZ
GitLab verbindet Repository, Merge Requests, Issues, Container Registry, Umgebungen und CI/CD stärker innerhalb einer gemeinsamen Plattform.Dadurch können Unternehmen Entwicklungs- und Deployment-Prozesse standardisieren und wiederverwendbare Pipeline-Vorlagen bereitstellen. Teams müssen dann nicht für jede Anwendung denselben Build-, Test- und Deployment-Prozess neu entwickeln.Besonders interessant kann GitLab sein, wenn die Plattform bereits als zentrale Entwicklungsumgebung eingesetzt wird oder Self-Hosting und interne Netzwerke eine wichtige Rolle spielen.
SECURITY DIREKT IM ENTWICKLUNGSPROZESS
GitLab kann – abhängig von Edition und Konfiguration – verschiedene Security-Prüfungen in den Entwicklungsprozess integrieren.Dadurch können beispielsweise Probleme mit Quellcode, Abhängigkeiten, Container Images oder Secrets bereits während eines Merge Requests sichtbar werden.Automatische Scanner ersetzen jedoch keine Security-Entscheidung. Unternehmen müssen definieren, welche Findings einen Release tatsächlich blockieren und welche zunächst bewertet werden müssen.
JENKINS: MAXIMALE FLEXIBILITÄT MIT EIGENEM BETRIEB
Jenkins verfolgt einen anderen Ansatz. Unternehmen betreiben einen eigenen Automatisierungsserver und können Controller, Agents, Plugins und Integrationen sehr flexibel an die eigene Umgebung anpassen.Das kann bei älteren Anwendungen, speziellen Build-Systemen, abgeschotteten Netzwerken oder ungewöhnlichen Deployment-Prozessen ein großer Vorteil sein.Diese Freiheit erzeugt jedoch Betriebsaufwand. Jenkins benötigt Updates, Backups, Monitoring, Rechtekonzepte, Plugin-Pflege und Mitarbeiter, die die Plattform verstehen.
DIE PLUGIN-FALLE BEI JENKINS
Die große Erweiterbarkeit von Jenkins ist gleichzeitig eines der größten Betriebsrisiken.Plugins können unterschiedlich gepflegt sein, Sicherheitslücken enthalten oder nach Updates miteinander kollidieren. Über Jahre gewachsene Jenkins-Umgebungen enthalten außerdem häufig individuelle Skripte und Sonderlogik, deren ursprüngliche Entwickler möglicherweise längst nicht mehr verfügbar sind.Ein Lizenzpreis von null bedeutet deshalb keineswegs Betriebskosten von null.
WANN JENKINS WEITERHIN SINNVOLL IST
Jenkins kann weiterhin die richtige Wahl sein, wenn echte Sonderanforderungen bestehen: spezielle Build-Ketten, ältere Systeme, strikte Netzgrenzen, Air-Gap-Szenarien oder ungewöhnliche Integrationen.Für eine neue Standard-Webanwendung zusätzlich Jenkins einzuführen, obwohl Code und Entwicklungsprozesse bereits vollständig auf GitHub oder GitLab liegen, kann dagegen unnötigen Plattformbetrieb erzeugen.Bestehende Jenkins-Landschaften sollten wiederum nicht automatisch ersetzt werden. Zuerst müssen produktive Pipelines, Plugins, Agents, Netzfreigaben und tatsächlicher Betriebsaufwand analysiert werden.
DIE ENTSCHEIDUNG BEGINNT BEI DEN DATENWEGEN
Wo liegen Repository, Artefakte, Secrets und Zielsysteme? Muss eine Pipeline interne Systeme erreichen? Welche Netzwerkgrenzen existieren?Hosted Runner können beispielsweise ein internes Produktionssystem möglicherweise nicht erreichen. Ein Self-hosted Runner kann diesen Zugriff ermöglichen, wird dadurch aber gleichzeitig zu einem besonders sensiblen Bestandteil der Infrastruktur.Netzwerkarchitektur und Security bestimmen deshalb maßgeblich, welche Pipeline-Architektur sinnvoll ist.
WER BESITZT DIE PIPELINE?
Eine weitere zentrale Frage betrifft die organisatorische Verantwortung.Wer pflegt zentrale Templates? Wer reagiert auf ausgefallene Runner? Wer überprüft Berechtigungen? Wer entscheidet bei einem fehlgeschlagenen Deployment?Wenn die Antwort lediglich lautet, dass sich bei Bedarf jemand aus dem Entwicklungsteam darum kümmert, fehlt kein Tool – sondern ein Betriebsmodell.
COMPLIANCE UND NACHVOLLZIEHBARE FREIGABEN
Bei geschäftskritischen Anwendungen muss später nachvollziehbar sein, welches Artefakt getestet, freigegeben und tatsächlich produktiv ausgerollt wurde.Entwicklungs- und Produktionsrechte sollten deshalb sauber getrennt sein. Ein Entwickler kann beispielsweise einen Build auslösen, ohne gleichzeitig allein ein produktives Deployment freigeben zu dürfen.Audit Trails, geschützte Umgebungen und technisch durchgesetzte Rollen werden damit Teil der Pipeline-Architektur.
DIE KOSTEN EHRLICH VERGLEICHEN
Lizenzkosten sind nur ein Teil der Gesamtbetrachtung. Hinzu kommen Build-Minuten, Artefaktspeicher, Logs, Runner-Infrastruktur, Wartungszeit und ungeplante Störungen.Bei Jenkins liegt ein großer Teil dieser Kosten im eigenen Betrieb. Bei GitHub Actions und GitLab können dagegen Lizenzmodelle, Nutzungskosten oder selbst betriebene Runner relevant werden.Die entscheidende Größe sind deshalb die gesamten Betriebskosten und nicht nur der Preis auf der Produktseite.
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