HRF 225 | "…insofern ist es besonders wichtig, wenn man etwas tut, was einen auch was kostet"
Episode von Hörfehler von Nick Kaßner · 9. Oktober 2025 · 1 h 16 min
Fußball ist in Deutschland mehr als ein Spiel. Er ist ein öffentlicher Raum, in dem Gemeinschaft entsteht – und in dem Konflikte sichtbar werden. Auch jüdische Menschen gehören selbstverständlich dazu: auf den Rängen, auf den Plätzen, in den Vereinen.Der 7. Oktober 2023 hat das deutlich gemacht. Die Massaker der Hamas in Israel haben unermessliches Leid verursacht – und zugleich gezeigt, wie Fußball ein Resonanzraum sein kann: für Solidarität und Mitgefühl, aber auch für Ausgrenzung und Hass. Geschichten wie die von Hersh Goldberg-Polin oder Inbar „Pink“ Heyman haben auch deutsche Fanszenen berührt.
Das Buch „Juden auf den Plätzen, Juden auf den Rängen“ versammelt Stimmen aus Deutschland und Israel, die davon erzählen. Von Freundschaft und Zusammenhalt, aber auch von Bedrohung und Gewalt. Es geht um die Frage, wie jüdisches Leben im Fußball sichtbar wird – und was das über die Gesellschaft sagt. Herausgegeben von Monty Ott und Ruben Gerczikow, unterstützt von Werder Bremen, bietet der Band Einblicke in Erfahrungen, die selten erzählt werden – und macht deutlich: Fußball ist weit mehr als ein Sport.
Meine Gäste sind Monty Ott und Ruben Gerczikow:
Monty Ott ist Politik- und Religionswissenschaftler. In seinen Schriften beschäftigt er sich mit Antisemitismus, Erinnerungskultur, Intersektionalität und Queerness. Anfang 2023 veröffentlichte er in der ZEIT den Essay „Inzwischen ist es kalt geworden“. Darin analysierte er Antisemitismus in linken Bewegungen – ein Text, der früh auf Entwicklungen hingewiesen hat, die nach dem 7. Oktober 2023 unübersehbar wurden. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er zudem in der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit. Derzeit schreibt er an einer Dissertation über „Queere jüdische Theologie“.
Ruben Gerczikow ist Autor und Publizist. Er recherchiert zu antisemitischen Strukturen und schreibt über Rechtsextremismus, Islamismus und über jüdische Gegenwart. Seine Texte erscheinen in verschiedenen Zeitungen und Magazinen. Von 2019 bis 2021 war er Vizepräsident der European Union of Jewish Students sowie der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands.
Beide haben 2023 gemeinsam den Reportageband „Wir lassen uns nicht unterkriegen – Junge jüdische Politik in Deutschland“ veröffentlicht. Und nun erscheint ihr neuer Sammelband „Juden auf den Plätzen, Juden auf den Rängen“.
Weitere Episoden von „Hörfehler“
- Als der Staat verschwand, blieb der Verein 21. Oktober 2026
- Boca es Pueblo – Wem gehört ein Fußballverein? 7. Oktober 2026
- HRF 243 | Der Osten. Eine Geschichte der Umbrüche. | Zeitspiel #44 22. September 2026
- HRF 242 | Staatsfeinde – Im Schatten des BFC 7. September 2026
- HRF 241 | 1966 – Der Mythos vom unschuldigen Fußball 4. August 2026
- HRF 240 | Soccer in America – warum muss dieser Fußball ständig beweisen, dass er groß genug ist? 14. Juli 2026
- HRF 239 | Forest Green Rovers – kann ein Verein ein Gegenentwurf sein? 23. Juni 2026
- HRF 238 | Port Said 2012 – Der Staat gegen die Kurve 9. Juni 2026
- HRF 237 | Athletic Bilbao, Lezama und die Kunst, anders zu bleiben 26. Mai 2026
- HRF 236 | Wenn aus Rivalen Partner werden: Fußballfusionen zwischen Identität und rationaler Vernunft 12. Mai 2026
- HRF 235 | Meister des Sports: Fußball, Politik und Geschichte – Gespräch mit dem Autor 29. April 2026
- HRF 234 | Fußball unterm Hakenkreuz | Der Berliner Fußball im Nationalsozialismus 31. März 2026
- HRF 233 | „Zwischen Kurve und Krieg: Frank Willmann über den Warlord Arkan“ 13. März 2026
- HRF 232 | Abpfiff DDR – Der Fußball im Umbruch 5. März 2026
- HRF 231 | Griechische Gespräche Teil 2 20. Februar 2026