Der Mythos Hulk Hogan | Teil 2: Wie viel Mythos bleibt, wenn der Held fällt?
Episode von Heels und Heldinnen von Michaela und Patricia · 23. August 2026 · 1 h 47 min
#18: Kann jemand gleichzeitig der wichtigste Wrestler aller Zeiten und eine der umstrittensten Figuren der Wrestlinggeschichte sein?
Genau dieser Frage gehen wir im zweiten Teil unseres Hulk-Hogan-Specials nach.
Denn nachdem wir im ersten Teil angeschaut haben, wie Hulk Hogan überhaupt zum Mythos werden konnte, interessiert uns jetzt vor allem: Was passiert mit diesem Mythos, wenn sich die Welt um ihn herum verändert – und irgendwann auch der Mensch hinter der Figur sichtbar wird?
Wir beginnen mit einem Helden, der eigentlich nicht verlieren darf. Und plötzlich doch fällt.
Die Earthquake-Storyline von 1990 macht Hogan verletzlich. Aus dem scheinbar unbesiegbaren Superhelden wird ein Held, der leiden, zweifeln und zurückkommen kann. Seine Rückkehr funktioniert dabei nicht nur als Wrestlinggeschichte, sondern als große emotionale Inszenierung: Fans sollen nicht einfach zuschauen – sie sollen das Gefühl bekommen, Hogan zu brauchen und ihn selbst zurück in den Ring zu bringen.
Und genau hier wird es spannend: Wo endet Kayfabe und wo beginnt bereits die moderne Logik von Fanbindung, Marke und Konsum?
Und dann ist da natürlich: Hogans Körper, der für Disziplin, Stärke, Selbstkontrolle und ein ganz bestimmtes Bild davon, was ein „richtiger Mann“ sein soll, steht. Hogan verkauft mit seinem Körper nicht nur Wrestling – er verkauft ein Ideal.
Umso interessanter wird der Widerspruch, als dieses Ideal auf die Realität des Wrestlings trifft. Der Steroid-Skandal der frühen 1990er bringt die perfekte Fassade ins Wanken: Wie glaubwürdig ist der „selbstgemachte“ Held, wenn hinter dem Körper eine ganz andere Geschichte steht?
Wir schauen auf Roman Reigns, CM Punk und Cody Rhodes und darauf, wie sich Wrestlinghelden verändert haben. Moderne Faces dürfen widersprüchlich sein, Schwächen zeigen und ihre eigene Geschichte hinterfragen. Hogan dagegen musste lange vor allem eines sein: die Antwort.
Und schließlich kommen wir zu der schwierigsten Frage dieses Specials:
Was passiert, wenn Hulk Hogan und Terry Bollea nicht mehr voneinander zu trennen sind?
Denn plötzlich geht es nicht mehr nur darum, ob wir einen Wrestler mögen, sondern darum, was wir mit einem kulturellen Erbe machen, das gleichzeitig gewaltig, prägend und zutiefst widersprüchlich ist.
Kann man den Helden von dem Menschen trennen?
Kann man die historische Bedeutung Hulk Hogans anerkennen, ohne die problematischen Seiten seiner Figur kleinzureden?
Ein zweiter Teil über einen Mann, der längst größer geworden war als der Wrestlingring. Und über einen Mythos, der vielleicht gerade deshalb so interessant ist, weil er nicht mehr ganz funktioniert.
Teil 1 verpasst? Dann unbedingt zuerst unseren Einstieg in die Entstehung von Hulkamania hören – denn erst wenn man versteht, wie dieser Mythos gebaut wurde, versteht man auch, warum sein späterer Bruch so folgenreich ist.
Und nicht vergessen! Lasst und ganz viel Liebe da! :-)
Wer noch tiefer in Hulk Hogan, Wrestling und die gesellschaftlichen Bilder dahinter einsteigen möchte:
Nicholas Ryan Canada – Portrait of a Real American (2022)
Danielle M. Soulliere – Wrestling with Masculinity
Jens Kjeldgaard-Christiansen – Wrestling Voices (2026)
Dan Gelston / Associated Press – Hulk Hogan descended upon American culture at exactly the time it was ready for him: the 1980s
Brianna Morris-Grant / ABC News – How Hulk Hogan weathered wrestling fame and racist scandal…
Die Auswahl verbindet Wrestlinggeschichte, Kulturwissenschaft, Männlichkeitsforschung und Mediengeschichte – und zeigt Hogan damit nicht nur als Wrestler, sondern als kulturelles Phänomen.
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