Ist Akzeptanz im Alter Resignation oder gelebte Freiheit?
Episode von Gelassen älter werden mit Bestseller Autor Bertram Kasper und Catharina Maria Klein von Bertram Kasper und Catharina Maria Klein · 2. September 2026 · 1 h 20 min
Ist Akzeptanz im Alter Resignation oder gelebte Freiheit?
„Es gibt einen Sinn von Akzeptanz, der sehr sinnvoll und wichtig ist. Weil wir nun einmal endliche Wesen sind, kommen wir an unsere Grenzen.“
Dr. Nadine Mooren
Ist Akzeptanz ein stilles Aufgeben – oder beginnt Freiheit vielleicht genau dort, wo wir nicht mehr gegen jede Grenze ankämpfen?
In dieser Episode spricht Bertram Kasper mit der Philosophin Dr. Nadine Mooren über eine Frage, die mitten ins Älterwerden führt: Wie können wir annehmen, was nicht mehr zu ändern ist, ohne vorschnell zu resignieren?
Das Alter, so Nadine Mooren, ist weder eine reine Verlustgeschichte noch ein grenzenloses Möglichkeitsversprechen. Es bringt beides mit sich: Erfahrung und Verletzlichkeit, neue Freiheiten und unwiederbringliche Abschiede. Wer nur das Schwere sieht, verengt seinen Blick. Wer dagegen jede Einschränkung schönredet, verkennt die Wirklichkeit.
Besonders kritisch betrachtet Nadine Mooren den verbreiteten Anti-Aging- und Longevity-Trend. Gegen Bewegung, Vorsorge und körperliche Fitness spricht selbstverständlich nichts. Problematisch wird es dort, wo das Altern selbst zum Feind erklärt wird. Denn nicht alles lässt sich trainieren, reparieren oder aufhalten.
Akzeptanz bedeutet deshalb nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Sie verlangt vielmehr eine kluge Unterscheidung: Was kann ich noch gestalten? Wo lohnt sich Widerstand? Und an welchem Punkt kostet mich das Aufbegehren mehr Lebenskraft, als es mir zurückgibt?
Zur Sprache kommt auch die Angst vor dem Verlust der Selbstständigkeit. Nadine Mooren macht deutlich, dass Hilfe anzunehmen nicht zwangsläufig einen Verlust der Autonomie bedeutet. Kein Mensch lebt vollkommen unabhängig. Beziehungen, Unterstützung und gegenseitige Fürsorge können ein selbstbestimmtes Leben überhaupt erst ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Bedauern. Es kann uns zeigen, was uns wichtig war und vielleicht noch immer ist. Zur Bitterkeit wird es erst, wenn Dankbarkeit, Erinnerungen und verbliebene Möglichkeiten keinen Platz mehr bekommen.
In dieser Folge geht es außerdem darum,
• warum Ambiguitätstoleranz eine Schlüsselkompetenz für das Älterwerden ist
• weshalb Hilfe anzunehmen kein persönliches Scheitern bedeutet
• wie wir Erwartungen an unsere veränderten Möglichkeiten anpassen können
• warum ein gutes Leben mehr braucht als Ziele und Beschäftigung
• wie wir mit versäumten Möglichkeiten und ungelebtem Leben umgehen
• weshalb Freundschaften und tragfähige Wohnformen früh bedacht werden sollten
• was die Philosophie der Stoiker über Gelassenheit und Akzeptanz lehrt
Dr. Nadine Mooren beschäftigt sich mit normativer Ethik, philosophischer Anthropologie, der Ethik des guten Lebens und der Philosophie des Alters. In ihrem Buch „Leben im Alter“ untersucht sie, wie ein gutes Leben gelingen kann, wenn Möglichkeiten kleiner werden, Abhängigkeiten wachsen und zugleich neue Freiheiten entstehen.
Eine Folge über das rechte Maß zwischen Aufbegehren und Loslassen – und über eine Freiheit, die nicht darin besteht, grenzenlos zu sein. Vielleicht zeigt sie sich gerade darin, den eigenen Möglichkeiten mit Eigensinn, Nachsicht und Würde zu begegnen.
Links
Zu Dr. Nadine Mooren: [LINK ZUR GÄSTIN]
Zum Buch „Leben im Alter“: [LINK ZUM BUCH]
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Die Musik im Intro und Outro ist von Stefan Kissel und wurde von Nico Lange gesprochen.
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