Justus Frantz: „Wir müssen widersprechen!“ – Über Merz, Russland und die Macht der Musik

Episode von Gegen den Strom von Patrik Baab · 22. Oktober 2026 · 1 h 22 min

„Wir wollen ja widersprechen und wir müssen widersprechen, denn sonst würde ja die Politik vollkommen verrückt werden.“

Justus Frantz nimmt kein Blatt vor den Mund. Auf seiner Finca auf Gran Canaria spricht der weltbekannte Dirigent und Pianist mit Patrik Baab über die politische Entwicklung Deutschlands, den Verlust kultureller Werte und die wachsende Konfrontation mit Russland.

Seine Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul fällt scharf aus. Frantz wirft der politischen Führung vor, den Frieden aus den Augen verloren zu haben. Er fordert mehr demokratische Toleranz, Respekt vor dem Wählerwillen und eine Politik, die sich wieder am Wohl der Bevölkerung orientiert.

Doch dieses Gespräch ist weit mehr als eine politische Abrechnung.

Frantz erzählt von seiner Freundschaft mit Helmut Schmidt, der auf seiner Finca Bücher schrieb, Schach spielte und am Klavier Trost in der Musik Johann Sebastian Bachs fand. Er erinnert sich an Leonard Bernstein und die Gründung des Schleswig-Holstein Musik Festivals, das für ihn von Anfang an ein Friedensprojekt war.

Mitten im Kalten Krieg gelang es Frantz, Künstler aus der DDR und der Sowjetunion nach Deutschland zu holen. Musik sollte Menschen verbinden, die politisch voneinander getrennt waren.

Besonders persönlich wird das Gespräch, als Frantz von seiner Freundschaft mit dem russischen Dirigenten Valery Gergiev erzählt. Warum hielt er zu ihm, als andere auf Distanz gingen? Welche Folgen hatte diese Loyalität für ihn selbst? Und was sagt dieser Konflikt über den heutigen Umgang mit russischer Kultur aus?

Frantz erinnert sich auch an ein außergewöhnliches Geschenk zu seinem 80. Geburtstag: Gergievs Aufführung von Beethovens „Missa solemnis“.

Am Ende richtet sich der Blick auf die Zukunft. Frantz beklagt den Verlust von Bildung, kulturellem Bewusstsein und geistigen Idealen. Zugleich erklärt er, warum Musik für ihn bis heute Trost spendet – und weshalb selbst in schweren Zeiten Hoffnung bleibt.

Ein Gespräch über Politik und Krieg, Freundschaft und Loyalität, große Musiker und die Frage, was von Europas kulturellen Werten geblieben ist.

Kapitel:

00:00 – Intro

01:48 – Zu Gast bei Justus Frantz auf Gran Canaria

02:48 – Kritik an Friedrich Merz und der deutschen Politik

05:39 – Demokratie, Toleranz und Grundgesetz

08:36 – Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt

12:18 – Die heutige CDU-Führung

18:09 – Johann Wadephul und der Kulturverlust

20:20 – Politiker und der Wille des Volkes

22:22 – Persönliche Erinnerungen an Helmut Schmidt

25:10 – Sicherheitspolitik

27:00 – Brandmauer und Musikfestival als Friedensprojekt

31:52 – Junge Talente und Valery Gergiev

37:54 – Gergievs Ausladung: Freundschaft und Loyalität

42:07 – Beethovens „Missa solemnis“

44:11 – Der Blick auf Russland heute

50:37 – Meinungsfreiheit, Zensur und Kritik

53:37 – „Extremismus der Mitte“ und Alternativen

55:40 – Kulturverfall, Bildung und Hedonismus

57:38 – Musik als Trost und Hoffnung

01:01:54 – Musikalischer Ausklang

Die Aussagen und Bewertungen des Gesprächspartners geben dessen persönliche Einschätzungen wieder. Das Interview dient der politischen Meinungsbildung und freien Meinungsäußerung gemäß Art. 5 GG.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus:

https://www.patrikbaab.de/unterstuetzen

Mehr:

Website: https://www.patrikbaab.de

Telegram: https://t.me/patrik_baab

X: https://x.com/PatrikBaabOG

© 2026 Patrik Baab

Weitere Episoden von „Gegen den Strom“

Alle Episoden von Gegen den Strom · Mehr Nachrichten-Podcasts