Was braucht es, einen Konzertflügel zu stimmen, Arvid Michel?

Episode von Frisch an die Arbeit von DIE ZEIT · 11. August 2026 · 42 min

»Ich muss das Klavier in einem Bereich hören können, den die meisten gar

nicht wahrnehmen«, sagt Arvid Michel im Podcast »Frisch an die Arbeit«.

Nur so könne er die 88 Töne eines Klaviers so aufeinander abstimmen,

dass sie nicht nur für sich, sondern auch gemeinsam richtig klingen. Bei

der »Dreigroschenoper« erkenne er zum Beispiel ein bestimmtes Muster,

sagt Michel. Nach dem Stück seien die Töne immer auf eine spezielle Art

verstimmt.

Michel arbeitet als freiberuflicher Klavierstimmer an Theatern sowie für

Rundfunkorchester und Chöre. Anders als die Instrumente in

Privathaushalten werden die Konzertflügel teilweise mehrmals im Monat,

manchmal sogar mehrmals am Tag gestimmt. Bei Proben und Aufführungen

werden die Saiten stark beansprucht, außerdem werden die Instrumente

ständig zwischen Bühne, Orchestergraben und Proberäumen bewegt. »Dadurch

entsteht so viel Verstimmung im Instrument, die dann hörbar ist«, sagt

Michel.

Seine Liebe zum Klavier begann in der Kindheit bei seiner Großmutter.

»Ich habe das Instrument gesehen und war sofort verliebt«, sagt er. Erst

mit 16 Jahren nahm er Unterricht und wollte Pianist werden. Während des

Studiums spielte er als Barpianist und verdiente sich einen eigenen,

nicht mehr ganz neuen Flügel – einen, der ständig gestimmt werden

musste. Weil er sich das nicht leisten konnte, bat er einen befreundeten

Klavierbauer, ihm alles beizubringen. Später half er in der Werkstatt

des Klavierbauers mit und begann eine Ausbildung.

Einer der besonderen Momente seiner Karriere war für Michel ein Auftrag

des Berliner Ensemble: Das Theater wollte einen neuen Steinway-Flügel

anschaffen, der den Ansprüchen des Pianisten Igor Levit genügen sollte.

Michel durfte nach Hamburg fahren und aus fünf Instrumenten eines

auswählen. »Er hat gespielt, ich habe gelauscht«, sagt Michel.

Im Podcast erzählt er außerdem, warum Klimaanlagen Klaviere verstimmen

und weshalb ihn die Kritik einer Professorin dazu brachte, seine

Arbeitsweise grundlegend zu verändern.

»Frisch an die Arbeit« wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es

moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek.

Das Team erreichen Sie unter [email protected].

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