Karsten Schölermann: 50 Jahre Knust und kein Ende
Episode von "Feel Hamburg" von NDR · 29. April 2026 · 55 min
Karsten Schölermann prägt die Hamburger Clubszene seit Jahrzehnten - als Betreiber des Musikklubs Knust, als Netzwerker und als engagierter Vertreter der Livekultur. Im Gespräch zeichnet er seinen Weg vom musikbegeisterten Jugendlichen zum Clubchef nach, der diese Rolle ursprünglich nie angestrebt hat. Ein zufälliger Moment Anfang der 1980er-Jahre führte dazu, dass er Verantwortung übernahm - und den Knust durch zahlreiche Umbrüche steuerte.
Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung des Clubs und die Veränderungen der Musiklandschaft. Schölermann beschreibt, wie sich Live-Musik von einem alltäglichen Bestandteil der Unterhaltung hin zu einem stärker kuratierten Präsentationsformat gewandelt hat. Diese Verschiebung habe besonders in den 1980er-Jahren zu einem Einbruch geführt, den der Knust nur durch alternative Formate wie die Engtanzfeten überstehen konnte.
Ein wiederkehrendes Thema ist die wirtschaftliche Realität von Musikclubs. Schölermann erläutert, wie entscheidend eine hohe Auslastung für den Betrieb ist und welche Herausforderungen steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und neue Marktbedingungen mit sich bringen. Gleichzeitig betont er die strukturellen Probleme der Branche, etwa im Umgang mit gesetzlichen Vorgaben oder fehlender langfristiger Förderung.
Auch die Rolle von Clubs als Entwicklungsorte für Künstler wird hervorgehoben. Schölermann sieht Livebühnen als unverzichtbar für künstlerisches Wachstum - insbesondere im Kontrast zu digitalen Plattformen, die zwar Reichweite schaffen, aber keine nachhaltige Entwicklung garantieren. Diese Perspektive verbindet er mit einem Blick auf aktuelle Trends und Nachwuchsszenen in Hamburg.
Darüber hinaus geht es um die enge Verbindung zwischen Stadtentwicklung und Kultur. Schölermann plädiert für mehr Freiräume, in denen Musik stattfinden kann, und beschreibt die wachsenden Konflikte zwischen kultureller Nutzung und Wohnraumentwicklung. Seine Erfahrungen zeigen, wie stark sich Rahmenbedingungen auf kreative Orte auswirken.
Das Gespräch bietet Einblicke in ein Arbeitsfeld zwischen Idealismus und ökonomischem Druck und zeigt, welche Bedeutung Clubkultur für das kulturelle Leben einer Stadt hat - gestern, heute und in Zukunft.
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