„Draußen“ mit Tilo Wesche: Der Natur eigene Rechte geben
Episode von Draussen - der Outdoor-Podcast der Braunschweiger Zeitung und Wolfsburger Nachrichten von Braunschweiger Zeitung / Wolfsburger Nachrichten · 21. Juli 2023 · 36 min
Der US-amerikanische Rechtsprofessor Christopher D. Stone legte 1972 den Grundstein mit seinem wegweisenden Essay „Haben Bäume Rechte?“. Darin plädiert er dafür, natürliche Organismen zu Trägern unveräußerbarer, subjektiver Rechte zu machen, die vor Gericht durchgesetzt werden können. Wenn abstrakte Akteure wie Wirtschaftsunternehmen Persönlichkeitsrechte genießen, fragte Stone vor 50 Jahren, warum soll das nicht auch für Flüsse, Wälder und Landschaften gelten dürfen? Ein Kernstrang seiner Argumentation: Kinder, Frauen und Minderheiten, aber auch Institutionen hätten erst im Zuge gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen eigene Rechte zugesprochen bekommen. Es sei geradezu ein roter Faden der Rechtsgeschichte, dass die schließliche Ausweitung von Rechten auf neue Einheiten in den Zeiten davor als undenkbar gegolten habe.
Der Philosoph Tilo Wesche, der aus Wolfenbüttel stammt, betrachtet in seinem im September erscheinenden Buch „Die Rechte der Natur“ die Verleihung subjektiver Rechte an natürliche Einheiten vor allem unter dem Aspekt des Eigentums. „Ich möchte aus den geltenden Eigentumsrechten einen Nachhaltigkeitsgedanken entwickeln. Ich möchte aus dem bestehenden Eigentumsrecht zeigen, weshalb in diesem Eigentumsrecht eine Nachhaltigkeitsgrenze bereits liegt, wir müssen sie einfach deutlicher zum Ausdruck bringen“, sagt Wesche im „Draußen“-Podcast. „Ich glaube, dass die Ökologiekrisen etwas mit unseren Eigentumsvorstellungen zu tun haben, und ich habe mich gefragt, wem gehört eigentlich die Natur? Haben wir das Recht, die Natur als unser Eigentum zu betrachten und dementsprechend zu nutzen, zu verwerten, zu übertragen?“
Die Rechte der Natur seien keine akademischen Erfindungen, sondern eine bestehende Rechtspraxis weltweit. „Es gibt mittlerweile 200 Fälle geltender Eigenrechte der Natur in Ecuador, in Kolumbien, aber auch in den USA, in Neuseeland und seit dem letzten Jahr selbst in der EU, nämlich in Spanien, wo es in der Nähe von Murcia eine Lagune mit eigenen Rechten gibt“, erzählt der Professor für Praktische Philosophie, der im Podcast hervorhebt, dass es ihm nicht um eine Revolution gehe.
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