Ungleichheit im deutschen Schulsystem – mit Marcel Helbig
Episode von Das Neue Berlin von Das Neue Berlin · 1. März 2022 · 1 h 46 min
Wir sehen uns gern als Leistungsgesellschaft. Mit sozialer Ungleichheit haben wenige Menschen ein Problem, so lange sie durch die "Leistungen und Fähigkeiten" des Einzelnen gerechtfertigt ist. Doch schon beim Blick auf die Bildung stößt diese Vorstellung auf Widersprüche. Denn welche Fähigkeiten Kinder erlernen können und was sie damit später leisten dürfen, hängt an extrem ungleichen Bedingungen.
Mit Marcel Helbig sprechen wir über Ungleichheit im deutschen Schulsystem. Wir beginnen zunächst historisch. Nach der Weimarer Reichsverfassung, die nun gut 100 Jahre alt ist, wurde erstmals der Gedanke von Gleichheit in der schulischen Bildung verankert. Mit der mindestens vierjährigen Grundschule wurde ein Einrichtung geschaffen, in der Kinder aller Schichten gemeinsam lernen. Auch heute noch besteht ein Sonderungsverbot mit Verfassungsrang, das die Ausgrenzung von Kindern nach Besitzverhältnissen in Schulen untersagt. Die Wirklichkeit sieht anders aus.
Wir versuchen, die komplizierte Struktur des deutschen Schulsystems zu verstehen, inklusive der Verwerfungen von Wiedervereinigung und demographischen Umbrüchen. Dann widmen wir uns den Mechanismen, die die Ungleichheit in der Schullaufbahn verfestigen: von den ungleichen Vorbedingungen beim Schuleintritt über die ungleiche Bewertung von Schülern aus verschiedenen Milieus bis hin zur sozial-räumlichen Segregation von Stadtteilen und ihren Schulen. Eine besondere, und immer wichtigere Rolle spielen dabei die Privatschulen. Bürgerliche Familien bleiben dort unter sich und verstärken damit die Bildungsungleichheiten weiter. Ein positiver Ausblick fällt schwer.
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