Postkoloniale Soziologie – mit Marius Meinhof
Episode von Das Neue Berlin von Das Neue Berlin · 29. Oktober 2021 · 1 h 29 min
Ob in Diskussionen um Museumsstücke aus den ehemaligen Kolonien, um koloniale Genozide oder um Alltagsrassismus: Die westlichen Gesellschaften lernen erst langsam, den Kolonialismus nicht nur als eine bedauerliche Episode der Vergangenheit zu begreifen, sondern als ein wesentliches Strukturmerkmal der eigenen Geschichte. Was daraus für die Politik heute konkret folgt, ist ebenso umstritten wie die Folgen für Geistes- und Sozialwissenschaften.
Dies gilt insbesondere für die Soziologie. Ihr Anspruch, zu beschreiben, was gerade »die« moderne Gesellschaft ausmacht, wird durch den Postkolonialismus herausgefordert. Lässt sich das bereits entwickelte, differenzierte Vokabular von Modernisierung, Herrschaft und Diskriminierung nicht auch für eine Soziologie des Kolonialismus nutzen? Liegt die Aufgabe der Soziologie darin, »den« Kolonialismus empirisch genau in seine Bestandteile zu zerlegen und historische Fälle zu vergleichen? Oder geht es an die Überprüfung der oft unausgesprochenen Grundlagen des Faches insgesamt?
In der Sendung sprechen wir mit Marius Meinhof, der im Rahmen einer Auseinandersetzung in der Zeitschrift SOZIOLOGIE für eine postkoloniale Soziologie wirbt. Nur wer kolonialistische Denkfiguren kennt, kann ein genaues Verständnis davon entwickeln, welche Bestandteile soziologischer Theorie darauf beruhen und in dieser Hinsicht zu überprüfen sind. Ebenso müsse der Kanon soziologischer Klassiker um die Klassiker des Postkolonialismus erweitert werden. Man müsse den Postkolonialismus als eigenständiges soziologisches Paradigma begreifen.
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