„Auf allen vieren“ findet Miranda July neue Wege
Episode von Das Buch zur Woche von DIFFUS, Daniel Koch, Celine Leonora · 15. Mai 2024 · 11 min
„Auf allen vieren“ (KiWi Verlag) ist der zweite Roman der Künstlerin, Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Miranda July. Sie war vor einigen Jahren auf irgendwie unangenehme Weise der Star eines jeden mittelalten Feuilletonisten. Ihre Filme „Me and You and Everyone We Know“ aus dem Jahr 2005 und „The Future“ aus dem Jahr 2011 machten sie in den Augen vieler Kultur-Männer zu einer Art intellektuellem „Manic Pixie Dream Girl“ und das war, nun ja, weird und unangenehm. Neben ihren Arbeiten als bildende Künstlerin, schrieb Miranda July danach den tollen Kurzgeschichtenband „Es findet dich“, bevor dann 2015 ihr Romandebüt „Der erste fiese Typ“ folgte. Sehr empfehlenswert ist auch ihr letzter Film „Kajillionaire“, bei dem sie Regie führte und das Drehbuch schrieb: Evan Rachel Wood spielt darin die kleptomanische Tochter einer Familie voller Kreinkrimineller.
Miranda Julys neuer Roman ist nach eigener Aussage sehr autobiografisch gefärbt und sei „close to the bone“, wie sie in einem Interview sagte. Die Ich-Erzählerin will eigentlich einen Roadtrip von Kalifornien nach New York machen und ihr nonbinäres Kind und ihren Mann für zwei Wochen allein lassen. Sie schafft es dann aber nur einen Ort weiter, wo sie einen jungen Mann namens Davey kennenlernt, der ungeahnte Gelüste in ihr weckt. „Auf allen Vieren“ ist aber nicht bloß die Geschichte einer Affäre zwischen einer Frau kurz vor den Wechseljahren und einem jungen schönen Mann, der gerne tanzt. Dieses Buch ist viel mehr als das: Miranda July geht darin auf der ihr eigenen Weise Gefühlen und Erlebnissen nach, die ihr eigenes Leben prägen. Das Buch ist bei aller Tiefe aber auch höllisch witzig. Man ist dieser suchenden, zweifelnden, liebenden, masturbierenden Erzählerin dermaßen ausgeliefert, dass man das Buch einfach nicht weglegen kann …
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