#7 Second Victims: Wenn Helfende Hilfe brauchen
Episode von Clog Talk – Zwischen Herz, Hektik und Hygiene von nordiska · 17. Juli 2026 · 57 min
In dieser Folge widmen wir uns einem Thema, das im Gesundheitswesen lange übersehen wurde: dem Second-Victim-Phänomen – der Belastung, die Mitarbeitende erleben, wenn ihnen ein Fehler passiert oder ein unerwarteter Zwischenfall sie persönlich trifft. Prof. Dr. Reinhard Strametz erklärt, warum dieses Phänomen so alt ist wie die Medizin selbst und weshalb es heute aktueller denn je ist.
Gemeinsam definieren wir, was ein „Second Victim“ eigentlich ist, welche Symptome typisch sind – von Schlafstörungen über Isolation bis hin zu Schuld- und Schamgefühlen – und warum mehr als die Hälfte aller Beschäftigten im Gesundheitswesen im Laufe ihres Berufslebens betroffen sind. In einer Studie, die Prof. Strametz gemeinsam mit seiner Doktorandin durchgeführt hat, gaben sogar 60–93 % der Befragten an, bereits selbst Second Victim gewesen zu sein.
Wir sprechen über Ursachen und Schlüsselmomente, die ein solches Erlebnis auslösen können, und über die schwerwiegendsten Folgen. Manche Second Victims tragen langfristige psychische oder körperliche Belastungen davon – im schlimmsten Fall kann ein Vorfall sogar zum Suizid führen, vor allem dann, wenn Betroffene zusätzlich bestraft oder stigmatisiert werden. Der wichtigste Satz dieser Folge:
„Second Victims brauchen Hilfe statt Bestrafung – denn das Phänomen selbst ist oft härter als jedes Urteil.“
Ein Schwerpunkt ist die Frage, wie Second Victims am besten unterstützt werden können. Prof. Strametz erklärt die fünf Stufen der Second-Victim-Hilfe und warum Peer Support dabei das wirksamste Instrument ist: Unterstützung durch Kolleg*innen, die das Umfeld kennen und Situationen realistisch einschätzen können. Studien, u. a. von Hannah Rösner, zeigen zudem, dass Peer Support nicht nur menschlich sinnvoll ist, sondern auch ökonomisch: Ein Krankenhaus mit 1.000 Pflegekräften spart im Durchschnitt mehrere tausend Euro pro Pflegekraft, wenn es ein solches Programm etabliert.
Besonders eindrücklich ist der Blick auf die Verbindung zwischen Mitarbeitersicherheit und Patientensicherheit. Denn: Das eine gibt es nicht ohne das andere. Second Victims zu schützen – auch wenn ihnen ein Fehler passiert ist – ist ein zentraler Bestandteil gelebter Patientensicherheit.
Eine tiefgehende, wichtige Folge über die Menschen im System, ihre Verletzlichkeit und die Frage, wie wir ein Arbeitsumfeld schaffen, das unterstützt statt verurteilt.
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