Folge 148: Die Eisschwimmen-Königin
Episode von Chlorgesänge von Ute Zill, Martina Schrey · 18. März 2026 · 34 min
Wir haben ja schon mehrfach übers Eisschwimmen gesprochen, aber unsere heutige Gesprächspartnerin toppt wirklich alles: Alisa Fatum-Böker hat zum Jahreswechsel 2018/2019 mit dem Eisschwimmen begonnen und bereits 2019 über 1000 Meter einen Weltrekord geschwommen, der bis heute (außer von ihr selber) nicht gebrochen wurde. Gerade kommt sie von der Winterschwimm-WM in Oulu/Finnland - und auch wenn ihre Paradestrecke dort nicht angeboten wurde, hat sie trotzdem 7 Medaillen mit nach Hause gebracht. Im Januar war sie bereits bei der Eisschwimm-EM in Italien und konnte dort ebenfalls mehrfach über Gold jubeln.
Zuhause ist Alisa in Leipzig. Hier arbeitet die Physiotherapeutin in einem ambulanten Reha-Zentrum, hier trainiert sie regelmäßig im Kulkwitzer See. Von Kindestagen an schwimmt sie im Verein, hat aber früh gemerkt, dass es die langen Distanzen sind, die ihr am meisten Spaß machen. Also trainierte sie nicht nur im Becken, sondern zunehmend auch im Freiwasser. Und im Herbst 2018 wollte sie einfach nicht damit aufhören - so begann ihre Karriere als Eisschwimmerin.
Wärmer als 5 Grad darf das Wasser beim Eisschwimmen nicht sein, geschwommen wird trotzdem im ganz normalen Badeanzug. Das Besondere bei Alisa: Sie räumt sowohl auf kurzen wie auf langen Distanzen die Medaillen ab. Wie ehrgeizig sie ist, spüren wir auch in unserem Gespräch, aber nicht unangenehm: Sie ist einfach eine sehr gute Schwimmerin mit einer sehr guten Technik - das hat sie sich in den letzten 22 Jahren hart erarbeitet.
Im See schwimmt sie übrigens nie allein - ihre Mutter ist immer dabei und steigt auch selber mit ins Wasser. Genauso wie Alisas Freund ist ihre Mutter sogar in Finnland mitgeschwommen, auch wenn es für eine Medaille nicht gereicht hat. Das war auch gar nicht das Ziel, sagt Alisa, allein dabei gewesen zu sein, war ein Traum. Das Becken wurde ins Meer gebaut, ganze Eisblöcke mussten herausgeschnitten werden, damit man tatsächlich schwimmen konnte. Und über all dem ein knallblauer Himmel bei Temperaturen deutlich unter null Grad.
Brrr - das muss man wollen! Und Alisa will. Bis vor kurzem musste sie sogar alles selber finanzieren, von der Kleidung bis zu den Reisen und den Teilnahmegebühren. Seit gut vier Monaten ist sie Kadersportlerin und kann deshalb Fördergelder beantragen. Viel ist es nicht, was sie erwarten darf, aber eine richtig gute warme Jacke beispielsweise, die sie vor und nach dem Schwimmen tragen kann, hilft schon mal weiter.
Zwar startet Alisa offiziell für den SSV Leutzsch, ihre Trainingspläne fürs Eisschwimmen schreibt sie sich jedoch selbst. Unterstützt vom Verein fühlt sie sich trotzdem - denn mehrmals in der Woche trainiert sie parallel im Becken und wird dabei von Trainer:innen begleitet. Sie findet es gut, dass Eisschwimmen 2025 als Sportart durch den Olympischen Sportbund anerkannt wurde. Wenn es soweit ist, wäre Schwimmen die einzige Sportart, die im Sommer und im Winter olympisch ist. Ob sie dann auch dabei ist? Alisa ist skeptisch. Die nächsten olympischen Winterspiele sind ja erst in vier Jahren, also 2030. Wer weiß, sagt sie, wie gut sie dann noch in Form sei.
Ihr großes Ziel ist es, eines Tages die Eismeile zu schaffen - 1609 Meter. Allerdings - die 1000 Meter sind schon ein ziemliches Brett, sagt sie. „Da merke ich von Meter zu Meter, wie meine Hände und Füße zu Klumpen werden.“ Vielleicht ist sie deshalb so schnell - um schnell wieder draußen zu sein? Alisa lacht. „Vielleicht!“
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