"Digger" stürzt ab - eine Zeitenwende fürs Kino? Warum funktioniert "Verity"? Keine Family-Titel, keine guten Boxoffice-Zahlen? Die Folgen des "Corpus Delicti"-Flops. Rekord für "Avengers: Doomsday"!

Episode von Box Office Inside von Chris Schinke und Florian Koch · 7. Oktober 2026 · 59 min

Ist „Digger“ das Ende des großen Autorenkinos? In dieser Folge von Box Office Inside sprechen wir über den spektakulären Absturz von Alejandro G. Iñárritus neuem Film mit Tom Cruise. Trotz Starpower, gewaltigem Budget und großen künstlerischen Ambitionen entwickelt sich „Digger“ zum Box-Office-Fiasko. Das wirft eine größere Frage auf: War der Film nur ein einzelner Fehlschlag – oder erleben wir gerade das Ende jener Ära, in der Hollywood-Studios Regisseuren wie Iñárritu, Paul Thomas Anderson oder Ryan Coogler dreistellige Millionenbudgets für eigenwillige Stoffe anvertrauten?

Gerade bei Warner bekommt diese Frage zusätzliche Brisanz. Nach der Fusion mit Paramount und dem Führungswechsel zeichnet sich ein Programm ab, das deutlich stärker auf bekannte Marken, Sequels und Franchises setzt. „Digger“ mag gescheitert sein – gleichzeitig könnte der Film für eine Art von Hollywoodkino stehen, die künftig immer seltener wird.

Ganz anders sieht es beim neuen Spitzenreiter „Verity“ aus. Die Colleen-Hoover-Verfilmung mit Dakota Johnson, Anne Hathaway und Josh Hartnett lockt in Deutschland knapp 300.000 Menschen zum Start ins Kino – mit einem überwiegend weiblichen Publikum. Wir fragen uns, warum diese Filme momentan so zuverlässig funktionieren.

Außerdem schauen wir schon auf Weihnachten. „Avengers: Doomsday“ hat in Deutschland mehr als zwei Monate vor Kinostart bereits rund 118.000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt. Was bedeutet dieser enorme Hype für „Dune: Part Three“, der zur selben Zeit um ein ähnliches Publikum konkurriert?

Weniger spektakulär läuft es derzeit im Streaming. „East of Eden“ startet bei Netflix trotz Florence Pugh eher solide als sensationell, und auch „Schumacher ’94“ bleibt hinter unseren Erwartungen. Hat eine weitere Schumacher-Dokumentation ohne wesentlich neue Einblicke überhaupt noch genug Ereignischarakter?

Im deutschen Kino zeigt sich derweil ein anderes Problem: Das Family Entertainment schwächelt. „Shaun das Schaf“, „Bibi Blocksberg“ und „Emil und die Detektive“ liefern keine Zahlen, die an die großen Familienhits der vergangenen Jahre heranreichen. Vor einem Jahr dominierte „Die Schule der magischen Tiere 4“ zu diesem Zeitpunkt mit mehr als einer halben Million Besuchern an einem Wochenende die Charts. Ein vergleichbarer Titel fehlt in diesem Herbst. Wir schauen deshalb auf die kommenden Monate und fragen: Woher soll der nächste große Familienhit kommen?

Auch abseits des Familienkinos tut sich deutsches Genrekino schwer. Die Juli-Zeh-Verfilmung „Corpus Delicti“ erreicht trotz breitem Start nicht einmal 30.000 Besucher. Warum funktionieren Thriller und Horror aus Deutschland im Kino seit Jahren so selten – während dieselben Genres im Fernsehen und bei Streamingdiensten durchaus ihr Publikum finden?

Bei den Neustarts diskutieren wir „The Social Reckoning“, Aaron Sorkins Rückkehr in die Welt von Facebook und Mark Zuckerberg. Jeremy Strong übernimmt die Rolle, die Jesse Eisenberg in „The Social Network“ geprägt hat. Chris hält ihn trotz Schwächen für überraschend packend und dringlich, Florian sieht angesichts des Marketings und der eher spröden Materie schwarz für die Kinokasse.

Passend dazu sprechen wir noch einmal über die auffällige Häufung von Filmen über Big Tech: von Luca Guadagninos „Artificial“ über Alex Gibneys vierstündige Musk-Dokumentation bis zu „You Can See Everything“ über Elizabeth Holmes. Gerade bei letzterem bleibt die Situation bemerkenswert: Während der Film in den USA bereits am 16. Oktober startet, hat er in Deutschland weiterhin keinen Verleih und keinen Kinostart.

Und schließlich schauen wir auf „Die Lügen meiner Mutter“ und DreamWorks’ „Forgotten Island“ sowie auf die schwierigen Wochen, die dem deutschen Kino bevorstehen. Auch „Street Fighter“, „Sacrifice“ und eine neue „Sinn und Sinnlichkeit“-Verfilmung sehen nicht unbedingt nach den Filmen aus, die den Herbst retten werden. Müssen am Ende ausgerechnet die großen Hits des Sommers noch einmal ran?

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