Heukrise: Gesund durch den Winter trotz Raufuttermangel
Episode von Auf Trab von Der Pferdepodcast von Julia Kistner · 22. August 2026 · 49 min
Dürre, verbrannte Weiden, knappe Vorräte und Heupreise, die vielerorts durch die Decke gehen...
Die aktuelle Raufutterkrise stellt Pferdehalter und Stallbetreiber vor große Herausforderungen. Doch wieviel Heu braucht ein Pferd tatsächlich? Was darf man ersetzen – und welche vermeintlichen Alternativen können sogar gefährlich werden?
In dieser Sonderfolge von Auf Trab spricht Julia Kistner mit Dr.#Sonja Berger von der Klinischen Abteilung für Interne Medizin Pferde der #Vetmed-UniWien darüber, wie Pferde trotz knapper Heuvorräte gesund durch den Herbst und den Winter kommen.
Die wichtigste Botschaft gleich vorweg: Bei der Rohfaser sollte nicht zu stark gespart werden. Als absolute Untergrenze gelten rund 1,7 bis 2 Kilogramm Heu bzw. Raufutter pro 100 Kilogramm Körpergewicht und Tag. Zu wenig Rohfaser kann Magen, Darm und Mikrobiom belasten und das Kolikrisiko erhöhen.
Wie weit kann man Heu mit Stroh strecken?
Hochwertiges Futterstroh kann einen Teil der Ration ersetzen – allerdings nicht unbegrenzt. Laut Sonja Berger sollten höchstens rund 30 Prozent der Raufutterration durchStroh ersetzt werden. Wichtig sind eine gute Qualität, möglichst wenig Staub und Schimmel sowie eine langsame Gewöhnung.
Besonders bei hungrigen Pferden kann eine zu schnelle oder zu große Strohaufnahme Verstopfungskoliken begünstigen.Auch bei sehr kurzem, meist stark behandeltem Stroh ist Vorsicht geboten.
Heunetze verlängern Fressdauer wenig.
Engmaschige Heunetze verlängern die Fressdauer weniger stark, als viele vermuten. Sie können aber helfen, Futterverluste durch Vertrampeln und Verschmutzen zureduzieren.
Nicht für jedes Pferd sind sie ideal: Bei alten Pferden, Zahnerkrankungen wie EOTRH, Problemen der Halswirbelsäule oder Atemwegserkrankungen können andere Slowfeeding-Systeme beziehungsweise bodennahe Heukisten geeigneter sein.
Vorsicht bei trockenem, gestresstem Weidegras!
Braunes, dürregestresstes Gras ist nicht automatisch harmlos. Es kann hohe Fruktangehalte aufweisen und damit vor allem für Pferde mit EMS oder Insulindysregulation problematisch werden.
Durch die lückige Grasnarbe können außerdem Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut, Graukresse oder Hahnenfuß stärker auftreten.
Rasenschnitt ist kein Pferdefutter
Kein Pferdefutter ist frischer Rasenschnitt aus dem Rasenmäher. Das kurze, feuchte Material wird schnell aufgenommen und beginnt rasch zu gären. Mögliche Folgen reichen von Fehlgärungen und Gaskoliken bis hin zu schwerenDarmentzündungen und Hufrehe.
Frische Zweige und geeignetes Laub können Pferde beschäftigen und das Kaubedürfnis unterstützen. Sie bleiben aber ein Zusatz und kein Ersatz für Raufutter.
Fremdes Heu: lieber analysieren lassen!
Wer derzeit Heu aus anderen Regionen oder Ländern zukauft, kennt Herkunft und Pflanzenbestand oftmals nicht. Die Vetmeduni Wien bietet Untersuchungen unter anderem auf Nährstoffe, Pflanzenbestand, Bakterien und Pilze an.
Weitere Heu – und Heuersatz-Futtertipps in der aktuellen Folge von AUF TRAB, in der auch Futtercoach #AnjaBeifuss von #HPDVital und #KlausHart von #K&KHeuhandel zu Wort kommen.
Viel Hörvergnügen wünschen Euch Julia und Ihre Welshies– übrigens auch bei früheren AUFTRAB-Folgen zur Heuqualtiät, die ihr sehr gerne nachhören könnt.
Musik- und Soundrechte: https://auftrab.eu/index.php/musik-und-soundrechte/
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Fotos: Berger/Hart/Beifuss, Bearbeitung AUF TRAB
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