Rasender Stillstand. Belarus - eine Revolution und die Folgen
Episode von Angelesen! Audio-Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr von ZMSBw - Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr · 28. Mai 2026
In dieser Folge von Angelesen, dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, stellen wir das Buch „Rasender Stillstand. Belarus – eine Revolution und die Folgen“ von Ingo Petz vor. Es erschien im Jahr 2025.
Aufbruchstimmung, Widerstand, Kontrolle und Angst – belarussischer Alltag?
Der Autor fragt, was von der Aufbruchsstimmung des Sommers 2020 geblieben ist und welche Möglichkeiten es heute für Veränderung gibt. Er beschreibt ein Regime, das sich durch Kontrolle und Angst stabilisiert, zugleich aber zunehmend auf innere Leere stößt und zeigt wie der belarussische Alltag von Einschüchterung, aber auch von kleinen, kaum sichtbaren Formen des Widerstands geprägt ist.
Politische Analyse und Alltagsbeobachtungen
Petz erzählt keine lineare Geschichte, sondern verwebt politische Analyse, Alltagsbeobachtung und persönliche Eindrücke. Er spricht mit Menschen im Land und im Exil, schildert das Leben politischer Gefangener, die Arbeit unabhängiger Medienschaffender und das Wirken einer Opposition, die im Ausland Strukturen für eine demokratische Zukunft ihres Landes aufbaut. Dabei gelingt es ihm, die abstrakten Schlagworte „Repression“ und „Widerstand“ mit Gesichtern und Stimmen zu füllen.
Das Buch verzichtet auf große Thesen oder ein abschließendes Urteil. Stattdessen bietet es eine dichte Momentaufnahme eines gesellschaftlichen Zustands: Menschen, die versuchen zu überleben, zu hoffen, zu erinnern – und sich dabei zwischen Anpassung und Aufbegehren bewegen.
Belarus – Zukunft eines Landes im Schatten Russlands und der Ukraine
Rasender Stillstand ist ein wichtiges Buch, weil der Blick nach Belarus in Europa im Schatten Russlands und der Ukraine oft verloren geht. Es zeigt, dass die Zukunft des Landes mitten in Europa mit darüber entscheidet, wie sich die Region nach dem Krieg ordnen wird. Das Land sollte nicht allein Moskaus Einfluss überlassen werden, sondern verlangt die bewusste Aufmerksamkeit Europas. Petz verzichtet auf politische Analyse und geopolitische Thesen und beschreibt stattdessen die alltäglichen Folgen autoritärer Herrschaft. Gerade deshalb wirkt sein Buch so eindringlich. Letztlich erinnert es auch uns daran, demokratische Werte nicht für selbstverständlich zu halten und diejenigen zu unterstützen, die unter großen Risiken für sie einstehen.
Artikeltext: Kristiane Janeke
Sprecher: Christoph Jan Longen
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