#338 Bruce Cockburn – Lovers In A Dangerous Time
Episode von 7 Tage 1 Song von Christoph Borries · 24. August 2026 · 10 min
Wenn ich Lovers in a dangerous time höre denke ich nicht zuerst an große politische Bedrohungen, sondern an etwas Intimeres: an die Fragilität von Nähe, an Liebe, die nicht trotz der Gefahr – sondern in ihr möglich ist. Für mich ist das der Kernsatz im Lied:
Nothing worth having comes without some kind of fight. Nichts was es wert ist, kommt ohne Auseinandersetzung.
Auch in „Wahrlügen“, dem Buch meiner Tante, erscheint die Liebe nicht als heile Gegenwelt, sondern im Schatten von Krieg, Schweigen, Missverständnis und Projektion. Wir sind Liebende in gefährlichen Zeiten – aber die größte Gefahr ist vielleicht nicht der Krieg, sondern dass wir einander nicht wirklich sehen - und annehmen. Und vielleicht steht dagegen ein Gedanke von Spinoza, der dem Buch vorangestellt ist:
Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg
Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung
Eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit
Liebe ist nicht sicher, aber sie trägt.
Nothing worth having comes without some kind of fight / Got to kick at the darkness till it bleeds daylight.
Ein Brief meines Opas aus dem Krieg an seine Frau beinhaltet einen richtigen „kick“ gegen „darkness“:
Mit heißen Küssen beschließe ich den Brief und bin Dein Helmut.
Das ist keine Naivität, keine Sentimentalität. Es ist der Versuch, im Dunkel eine andere Wirklichkeit zu behaupten: Pläne machen, wo alles dagegenspricht. Mit Worten ein Licht zu entzünden, wo der Winter näher rückt.
Heute sind unsere „Fronten“ andere: Krankheit, Erschöpfung, Entfremdung – und eine Welt, die keine Ruhe lässt. Der Kampf richtet sich nicht nur nach außen. Er beginnt dort, wo wir dem Dunkel in uns nicht das letzte Wort lassen.
Die konkrete Einladung heißt: nicht aufschieben: klärende Gespräche, Zuspruch, kleine Feste, und ja, auch Küsse. Nähe ist verletzlich, sie kann wehtun. Aber vielleicht ist sie die einzige Weise, der Dunkelheit etwas entgegenzusetzen. Heute, nicht irgendwann.
Die englischen Texte werden von George gelesen.
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